07.10.2016
Kategorie: Personalia

Nachruf Kurt Adler

Die Biographie von Kurt Adler (1927–2016) war immer auch die Geschichte einer norddeutschen Buchhändler- und Antiquarsfamilie.


Kurt Adler war noch keine vier Jahre alt, als sein Vater Arno sich in Lübecks Altstadt als Antiquar und Buchhändler selbständig machte – mit einem mobilen Bücherwagen, der unweit des heutigen Buddenbrookhauses stand. Wenige Jahre später erlebte der Gymnasiast den Umzug des Antiquariats in feste Räume in der Hüxstraße in Lübecks Altstadt, wo das Unternehmen sich noch heute befindet – im Geburtshaus des Lokaldichters Julius Havemann.

Im Alter von 17 Jahren – 1944 – wurde Kurt Adler zum Soldaten. Das Kriegsende erlebte er in Holland. Nach der Rückkehr nach Lübeck wollte er eigentlich Förster werden. Doch angesichts der Verluste waldreicher Gebiete im ehemals deutschen Osten und der Waldarmut in Schleswig-Holstein schien dieser Beruf dem Achtzehnjährigen im Sommer 1945 keine Perspektiven zu bieten. Und deshalb wurde er Buchhändler und Antiquar.

Ende 1945 begann Adler im ehemals schleswig-holsteinischen Altona eine Lehre bei der J. Harderschen Buchhandlung, der 1947 die Arbeit für die Universitätsbuchhandlung Ludwig Röhrscheid in Bonn folgte – einer Buchhandlung mit renommierter Antiquariatsabteilung.

Er kehrte 1951 nach Lübeck zurück und stieg im darauffolgenden Jahr offiziell in das väterliche Unternehmen ein – zunächst als Leiter der Buchhandlung, die sich schon damals mit separatem Eingang im linken Teil des Hauses befand. Die rechte Haushälfte übernahm er 1967, nach dem Tod des Vaters. Es wird ihm von Jahr zu Jahr klarer geworden sein, dass er hier, im Antiquariat, seine eigentliche Berufung gefunden hat. 1982 übernimmt seine Ehefrau Hannelore die Leitung der Buchhandlung und er widmet sich nur noch dem Antiquariat. Seit 1996 zusammen mit seinem Sohn Olaf.

Hansische Geschichte war immer ein Schwerpunkt des Antiquariats. Kurt Adler veröffentlichte zahlreiche gedruckte Kataloge und er veröffentlichte Nachdrucke vergriffener Werke. Das Ladengeschäft mit seinem großzügigen und immer opulent dekorierten Schaufenster wurde zu einer Art Schaubühne der norddeutschen Buchgeschichte. Im Kollegenkreis kannte er keine Standesdünkel. Junge Kollegen unterstütze er aktiv – sei es durch bibliographische Hilfe, sei es durch die Vermittlung von Ankäufen. Er lebte die gute fachliche Praxis und war damit vielen ein Vorbild.

Kurt Adler war immer mit Leib und Seele Antiquar, aber er war niemand, der sich hinter seinen Büchern versteckt hätte. Er liebte Kultur, war Mitglied in Geschichtsvereinen, Gründungsmitglied der Lübecker Universität und an klassischer Musik interessiert. Außerdem war bis ins hohe alter aktiver Ruderer. Er war auf eine feine und überhaupt nicht pompöse Art Teil des lübeckischen Lebens. Mit Holzfliege und obligatorischem Rauhaardackel wirkte er drahtig und zugleich kultiviert. Immer freundlich, manchmal neckisch, dabei aber immer hanseatisch korrekt. Er lebte das typisch norddeutsche Understatement.

In den vergangenen Jahren zog sich Kurt Adler immer mehr aus dem aktiven Geschäftsleben zurück und überließ seinem Sohn Olaf die aktive Leitung des Antiquariats. Er konnte loslassen und widmete sich vor allem den drei Dingen, die ihm Freude bereiteten: Buchbeschreibungen, Rudern und Rauhaardackel. Er starb am 8. September friedlich im Kreis seiner Familie.

Jörg Tautenhahn.


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