24.11.2016
Kategorie: Kataloge und Bücher

Rund ums Kinderbuch

Vier neue Kataloge und eine Ladengeschäftseröffnung


Kinderbilderbücher aus dem Jugendstil war der Interessenschwerpunkt des Sammlers Claus John, von Beruf Dekorateur und Schaufenstergestalter in Castrop-Rauxel. Winfried Geisenheyner stellt die Sammlung nun in zwei bis drei Verkaufskatalogen vor und widmet den ersten der Erinnerung an seine im Frühjahr verstorbene Ehefrau Renate.

325 Nummern umfasst sein großformatiger, üppig und durchgehend farbig illustrierter Katalog – »Kinderbücher, Bilderbücher, Märchen und Sagen« –, beginnend mit teils sehr seltenen ABC-Büchern, einem Adventskalender mit Illustrationen von Else Wenz-Viëtor, Märchen von Andersen über Grimm und Hauff bis Rückert, Reklamebilderbüchern und diversen Werken mit Klapp- und Ziehfunktionen. Gertrud Caspari ist mit einer ganzen Reihe von Bücher vertreten, ebenso Adolf Holst, Ruprecht Knecht,  Meggendorfer und Kreidolf, dessen erstes Werk, »Blumen – Märchen« in der ersten Auflage für 1200,- € zu haben ist. Eine nahezu komplette Reihe der Scholz’ Künstler-Bilderbücher, 19 von 22 erschienenen Titeln, kosten 3900,- €. Das Gros des Angebots bewegt sich jedoch im zwei- und dreistelligen Bereich – und schon das Blättern im Katalog ist ein großes Vergnügen.

 

Das gilt gleichermaßen für Sabine Keunes 57. Katalog »Kunst im Kinderbuch«, der 210 Exponate von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die jüngste Zeit auflistet. Ein Highlight bei den älteren ist ein 1848 bei Schreiber erschienenes Anschauungsbuch über 30 Handwerke, Motto: »Arbeit ist des Bürgers Zierde. Segen ist der Mühe Preis. Handwerk hat goldnen Boden« – die Mappe mit handkolorierten, lithografischen Tafeln kostet 3900,- €. Aus den 1940er und 1950er Jahren stammen die Bilderbücher von Susanne Ehmcke mit so hübschen Titeln wie »Der Reimallein« oder »Die Lieder aus dem Schneckenhaus«.

Zu finden sind unter anderen Claudia Grasse mit ihren Buchkunstwerken, meist Holzschnitte, eine Original-Farbradierung von Janosch, originelle Bände des russischen Künstlers Vladimir Lebedev,  experimentelle Objektbücher von Bruno Munari und eigenwillige-phantasievolle Schöpfungen der tschechischen Künstlerin Kvéta Pacovská. Über 30 Bücher hat Ingrid Jörg mit meist farbenprächtigen Linolschnitten versehen, viele zu Texten renommierter GegenwartsautorInnen (die Preise liegen mehrheitlich im dreistelligen Bereich). Wer noch nicht sammelt, wird hier dazu verführt …

 

»Buchkunst im Wandel der Zeiten« hat Andrea v. der Osten ihren 76. Katalog überschrieben, dessen quadratisches Format eine besonders übersichtliche Gestaltung ermöglicht: in den Hauptspalten die Beschreibungen der 384 Angebote, in den Randspalten jeweils drei bis vier Abbildungen. Beinahe 300 Kinder- und Jugendbücher, Märchen und Sagen sind nach Stichworten wie Fabeln und Fibeln, Münchhausiaden oder Tieren aufgelistet. Und man freut sich über allerlei Begegnungen mit alten Bekannten: Clemens Brentano, Paul Flora, Günter Bruno Fuchs, Erich Kästner und Reinhard Michl sowie über erschwingliche Preise zwischen 25 und 500 €. Eine seltene Erstausgabe (für 2800 €) findet sich unter den Nummer 225: »Das neue Bilderbuch« von Tom Seidmann-Freud aus dem Jahr 1918, die Nichte Freuds war eine der wichtigsten Bilderbuch-Künstlerinnen dieser Zeit.

 

Ein wenig aus unserem thematischen Rahmen fallen die über hundert »Schulwandbilder – Lehrtafeln«, die das Antiquariat Rainer Kurz anbietet, aber schließlich waren deren Adressaten ja Kinder und Jugendliche. Der Katalog ist gewissermaßen ein Lehrbuch im Kleinen und man vertieft sich gern in die Abbildungen des Nördlichen Sternenhimmels, den Aufbau der Bundesrepublik Deutschland, des menschlichen Auges und Ohres oder die Schnitte durch die Kieselalgen, um nur die erste Doppelseite zu nennen. Was man in der Schule alles gelernt hat oder hätte lernen können – erstaunlich! Wie der Magen eines Wiederkäuers aussieht oder die Münchner Ludwigstraße um 1960, wie der Telegraph funktioniert oder die Tuberkulose-Übertragung … Selbst Märchenbilder hat »der neue Schulmann«  vorgezeigt.

Apropos: Regina und Rainer Kurz haben jüngst ein Ladenantiquariat in Oberaudorf eröffnet, Rosenheimer Straße 10. Dort lässt sich bei einem Besuch noch vergnügter blättern!

 

 

www.geisenheyner.de

www.antiquariat-keune.eu

mail[at]antiquariat-osten[dot]de

www.antiquariatkurz.de


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