31.01.2018
Kategorie: Personalia, VdA

Nachruf Siegfried Brumme 1927–2017

Siegfried Brumme war kein Mann der Feder, auch kein Mann blumiger Worte und großer Reden. Er war ein nüchterner Realist, ein Handschlagmensch, auf dessen Wort absoluter Verlass war. Es bedurfte keiner schriftlichen Vereinbarungen. Was er sagte, galt.


Geboren wurde er in Oranienbaum nächst Dessau und Wörlitz in Sachsen-Anhalt, am 6. Juli 1927 als Sohn eines Fleischers, was sein Leben lang bestimmte Speisenvorlieben zur Folge hatte. Er absolvierte eine Ausbildung im kaufmännische Großhandel für Honig und Geflügelzucht. Als 17jähriger eingezogen, kam er 1950 aus der Kriegsgefangenschaft in Sibirien nach Frankfurt am Main.

Es begann eine erstaunliche, eine bewundernswerte Karriere. Siegfried Brumme hatte einen untrüglichen Geschäftssinn und er konnte gut und schnell rechnen. Er sah, dass viele Wände im Nachkriegs-Deutschland leer waren und dass man sie mit gerahmten Graphikblättern verschönern könnte. Er spürte den Nerv der Zeit, es bestand Nachholbedarf und er hatte eine geniale Geschäftsidee: auf Rundreisen Stadtansichten am jeweiligen Ort anzubieten und dort gleich wieder neue von anderen Orten einzukaufen. So wurde er zum führenden Wirtschaftswunder-Graphikhändler, der am liebsten en gros kaufte.

Im Jahr 1967 wurde das Geschäft in der Frankfurter Braubachstraße eröffnet. Es folgte 1970 der Bezug des Hauses am Kirschgarten in Mainz, ein von ihm und seiner Frau Dörte liebevoll restauriertes altes Fachwerkhaus. Hier begann seine zweite Karriere als Immobilien-Spezialist, die sich in Speyer und in Wiesbaden fortsetzte.

Inzwischen war das Antiquariat Siegfried Brumme international bekannt geworden. Brumme musste nicht ins Ausland gehen, das Ausland kam zu ihm. Alte Kataloge künden von den heute geradezu legendären Beständen an Topographie, Atlanten und dekorativer Graphik. Auf Auktionen gehörte Siegfried Brumme mit zu den dominanten Beherrschern der Szene. Die Stuttgarter Antiquariatsmesse im Gustav-Siegle-Haus und später im Kunstverein war eine seiner Bühnen. Trotz seines großen Fachwissens drängte er sich nie in den Vordergrund, er blieb unauffällig und bescheiden. Nur manchmal erzählte er von einem besonders gelungenen Verkauf an den richtigen Kunden im richtigen Moment.

Seine nächste große Stunde schlug nach der Wende. Lange Jahre hatte Brumme Ansichten aus der damaligen DDR gekauft, die er als »Mitteldeutschland« bezeichnete und für die es damals keinen Markt gab. Jetzt wurde er mit seinem großen Bestand zum gefragten Lieferanten für die neuen Bundesländer.

Wir alle haben von Siegfried Brumme viel gelernt, nicht nur die Erkenntnis, dass der Gewinn im Einkauf liegt. Seine kollegiale Großzügigkeit machte Geschäfte mit ihm erfreulich. Privat wurde er mit den Jahren zu einem guten Freund meiner ganzen Familie.

Im Jahr 2017 konnte er seine Goldene Hochzeit, seinen 90. Geburtstag und die Einschulung seines geliebten Enkels Mark erleben. Am 29. Dezember ist Siegfried Brumme von uns gegangen. Mit ihm endet eine Ära.


Christine Grahamer


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58. Stuttgarter Antiquariatsmesse
25. bis 27. Januar 2019
Kunstgebäude am Schlossplatz

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