17.12.2018
Kategorie: Kataloge und Bücher

Letzte Geschenke zu Weihnachten

Fünf neue Kataloge


Was bringt wohl der Nikolaus im blauen Himmelsgewand? Mille libri? Oder Schlittschuhe?
Der Fibel-Katalog aus Oberaudorf enthält jedenfalls vieles, was man sich, auch des Alphabets längst mächtig, vom Nikolaus oder Weihnachtsmann wünschen könnte: 146 ABC-Bücher, Schulbücher, Fibeln aus den Jahren von 1888 bis 1994 zu erschwinglichen Preisen. Das Durchblättern ist eine anschauliche Zeitreise durch ein Jahrhundert Schulgeschichte der Regionen und Länder im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus; es gibt erste deutsche Lesebücher für amerikanische Schulen, französische, englische, italienische, spanische, polnische, serbische, griechische sowie Fibeln aus Ruanda und Mexiko. Die manchmal etwas aufgesetzte Fröhlichkeit, mit der Lesen und Schreiben gelehrt wird, kontrastiert gelegentlich zu den politischen oder autoritären Inhalten.

Antiquariat Rainer Kurz, Oberaudorf
www.antiquariatkurz.de


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In ein galantes Zeitalter, irgendwann zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert, entführt diese dreibändige Berner »Heptaméron«-Ausgabe von 1792, reich illustriert mit 73 Kupfertafeln (nach Sigismund Freudenberg), zahlreichen Vignetten – im Unterschied zur ersten Ausgabe des Verlags um drei gestochene Titelblätter ergänzt. Mehr oder weniger aufmerksam scheinen die ZuhörerInnen den 1559 erstmals erschienenen, amourösen Novellen der Marguerite de Navarre zu lauschen … Die drei braunen Halblederbände sind auch äußerlich sehr hübsch (€ 1800,-), wie vieles andere in Susanne Koppels 55. Katalog, der 132 Titel aus den Themenbereichen Geschichte, Literatur und Reisen aus dem 18. und 19. Jahrhundert enthält, von Margaretha Adelmanns »Gedichten« in der Erstausgabe (€ 300,-) über Friedrich Schillers »Geschichte des Dreyßigjährigen Kriegs (gedruckt bei Göschen 1809, € 950,-) bis Johann Heinrich Daniel Zschokkes »Reise auf die Eisgebirge des Kantons Bern und Ersteigung ihrer höchsten Gipfel im Sommer 1812« als Separatdruck (€ 520,-).

Antiquariat Susanne Koppel, Hamburg
Telefon 040 / 45 44 07
info[at]antiquariat-koppel[dot]de



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Alle acht Farb-Lithographien von Oskar Kokoschka schmücken den Umschlag von Sabine Keunes Katalog 61, der den Titel »Künstler und Kinderbuch« trägt. Tatsächlich hatte der damals 21-jährige Künstler Kokoschka von der Wiener Werkstätte den Auftrag erhalten, ein Kinderbuch zu gestalten, doch wurde daraus eine Geschichte von der ersten Liebe, der Adoleszenz und der Sehnsucht nach Fremden Ländern – eben »Die träumenden Knaben«. Von der ersten Ausgabe wurden 225 Exemplare in einem mit Goldfäden durchwirkten Leinenband auf den Markt gebracht, die weiteren 275 kaufte Kurt Wolff und band sie zehn Jahre später ähnlich ein. Ein Exemplar von den ersten Auflage des Jahres 1908 mit den von Klimt beeinflussten, leuchtend farbigen Lithos kann man für € 25 000,- erwerben; darüber hinaus enthält der Katalog 147 weitere schöne Bücher vor allem des 20. Jahrhunderts.

Antiquariat Sabine Keune, Aachen
www.antiquariat-keune.eu



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Bei Kerstin Seidel trifft im neuen Katalog 96 über 500 mal Literatur auf Kunst, will heißen, es treffen sich zum Beispiel der Baron de Beaumarchais und Henri Montassier in einer reizvoll-koketten Ausgabe der »Mariage de Figaro« (€ 400,-), Heiner Müller und Klaus Zylla, wobei der Dramatiker lediglich ein Textblatt (»Ajax zum Beispiel«) zu dieser, 2006 in der Berliner Galerie auf Zeit  veröffentlichten expressiven Bildermappe beigesteuert hat, deren 60 Exemplare mit Siebdrucken durch Malerei zum Unikat wird, die Nummer 8 ist für € 1500,- zu haben. Für die Illustrationen von Jean Giraudoux’ Tragödie »Judith« haben Max Ernst und Dorothea Tanning jeweils 6 farbige Lithographien geschaffen, erschienen ist das Werk 1972 in der Stuttgarter Manus-Presse, die Nr. 261 von 500 im Druckvermerk signierten Auflage kostet € 900,-

Antiquariat Seidel & Richter, Fürstenberg / Havel
Antiquariat-Berlin[at]t-online[dot]de



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Explizit schöne Bücher enthält der Weihnachtskatalog des Antiquariats Schaper und die gibt es in allen Themenbereichen; in den literarischen Werkausgaben ebenso wie in der Naturkunde, in der Architektur wie in der Bildenden Kunst, bei den Reiseberichten wie bei Märchen und Sagen. Einen Schwerpunkt bilden Bibeln, das können Ausgaben um 1700 im edlen Schweinsledereinband mit Messingschließen sein oder welche mit Illustrationen von Schnorr von Carolsfeld oder Salvador Dali. Schön (und damit erschwinglich) sind natürlich auch Faksimiles, etwa von der Wiener »Biblia Pauperum oder dem Codex Manesse und nicht zuletzt ein architektonisches Werk von Bruno Taut von 1920, dessen langer Titel lautet: »Die Auflösung der Städte oder Die Erde eine gute Wohnung oder auch: Der lange Weg zur Alpinen Architektur«. Der im Folkwang-Verlag erschienene Band ist vielleicht heute noch aktueller als damals (€ 780,-).

Antiquariat Schaper, Hamburg
www.antiquariat-schaper.de





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59. Stuttgarter Antiquariatsmesse
24. bis 26. Januar 2020
Kunstgebäude am Schlossplatz

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