02.02.2019
Kategorie: VdA

Interview mit Susanne Koppel

Während der 58. Stuttgarter Antiquariatsmesse war die von Susanne Koppel kuratierte Sonderausstellung »Auswanderung nach Brasilien im 19. Jahrhundert« zu sehen, die auf großes Interesse gestoßen ist. Angelika Elstner hat der Hamburger Antiquarin im Vorfeld einige Fragen gestellt.


Frau Koppel, wie kam die Idee zur Ausstellung der Brasilien-Bibliothek der Robert Bosch GmbH?
Die Idee zu einer Ausstellung mit dem Thema »Auswanderung nach Brasilien im 19. Jahrhundert« hatten wir schon länger, da das länderübergreifende Thema uns alle heute doch sehr beschäftigt. Wir haben uns überlegt, ob die Bestände wohl einen Einblick in die Thematik hergeben, und so kamen wir zu unserer Auswahl mit allgemeinen Darstellungen, Augenzeugenberichten und auch literarischen Verarbeitungen von den Anfängen bis 1900, mit dem Schwerpunkt auf deutsche Titel.
 
Bitte geben Sie uns einen kleinen Einblick in die Sammlung und Bibliothek. Worin liegt der Ursprung der Sammlung und was beinhaltet die Bibliothek?
Den Anstoß für das Sammeln ergab das wirtschaftliche Engagement der Firma im Lande nach dem Krieg. Der Aufbau der Brasilien-Bibliothek entstand aus dem Gedankenaustausch zwischen dem bekannten Bibliophilen Hans L. Merkle – über 20 Jahre Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH – und dem 1981 verstorbenen Antiquar Fritz Eggert, dessen einzige Mitarbeiterin ich bis zu seinem plötzlichen Tod war. Über die Bibliothek habe ich einen Katalog erarbeitet, der Drucke von der Entdeckung Amerikas bis zum Ende des brasilianischen Kaiserreiches und bis zur Konstituierung der Republik beschreibt, die seit den sechziger Jahren bis 1983 erworben wurden. Die Ergänzung zu Sachgebieten wie Geschichte, Politik, Literatur, Kultur- und Naturwissenschaften wird bis heute gepflegt.   
 
Emigration und Immigration sind gerade dieser Tage wieder wichtige Themen in Deutschland und Europa. Finden Sie Vergleiche zu Emigrationsbewegungen vor über 100 Jahren? Was können wir aus dem Wissen, das in einer solchen Sammlung steckt, lernen?
Auch wenn die heutige weltweite Auswanderungsbewegung nicht mit der damaligen Problematik deckungsgleich ist, sind doch die Beweggründe für ein Verlassen des Heimatlandes vielfach dieselben wie damals: Wirtschaftliche Not, Klimakatastrophen und Verfolgung, aber auch Abenteuerlust und Gewinnstreben sollten hierbei nicht vergessen werden. Wir hoffen, dass diese Aspekte durch die Exponate deutlich wurden und manchen Besucher aus der Region an Erzählungen aus der Familie oder unmittelbaren Nachbarschaft erinnern konnten.

Haben Sie selbst Brasilien besucht? Was fasziniert Sie an diesem Land?
Ich war nie in Brasilien. Meine Faszination an Brasilien wuchs bei der Beschäftigung mit den Büchern und Dokumenten zur Geschichte und Erforschung des Landes, wozu auch die Bearbeitung des 1974 erworbenen Nachlasses des Reisenden Maximilian Prinz zu Wied beigetragen hat.

Sie sind Antiquarin in Hamburg. Nennen Sie uns doch bitte ein paar Orte, die unsere bibliophilen Leser bei der nächsten Reise nach Hamburg besuchen sollten?
Nach drei Jahren als Leiterin der Buchabteilung des Auktionshauses Hauswedell & Nolte, in dem ich schon gelernt hatte, habe ich mich 1986 als Antiquarin in Hamburg selbstständig gemacht. Für bibliophil-interessierte Besucher möchte ich Richard und Ida Dehmels Künstlerhaus in Blankenese und die Exil-Bibliothek in der Berendsohn-Forschungsstelle im Altbau der Staatsbibliothek – Carl von Ossietzky – empfehlen. Wenn auch nicht für speziell an Büchern interessierte Besucher, aber doch passend zu unserem Thema, sollte das Auswanderermuseum BallinStadt im Hafen nicht unerwähnt bleiben.

Frau Koppel, herzlichen Dank für das Interview.


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58. Stuttgarter Antiquariatsmesse
25. bis 27. Januar 2019
Kunstgebäude am Schlossplatz

www.stuttgarter-antiquariatsmesse.de

 

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