10.11.2019
Kategorie: VdA, Kataloge und Bücher

Eine berühmte Einbahnstraße und ein Überkinder-Bilderbuch, Ansichten von Hamburger Landhäusern und der rauhen Alb sowie eine Berliner Buschiade

Neue Kataloge im Spätherbst



»Immer wieder Aufbruch« überschreibt Marie-Luise Surek-Becker vom Berliner Unterwegs Antiquariat ihren aktuellen Katalog, der komplett mit 400 Titeln als pdf auf der Website vorliegt, zu dem es jedoch einen Flyer mit 26 Nummern als gedruckten Appetizer gibt.
Immer wieder ins Auge fällt einem der von Sasha Stone gestaltete Umschlag von Walter Benjamins »Einbahnstraße«, der das 1928 bei Rowohlt erschienene literarisch-philosophische Meisterwerk zu einem der schönsten Bücher des letzten Jahrhunderts machen – für € 6.000,-  kann man es für die eigene Sammlung erwerben. Eine Preziose ist auch das Werbeplakat für ein 1913 eröffnetes und bis heute existierendes Etablissement in Mitte, unweit des Bahnhofs Friedrichstraße: »Clärchens Ballhaus« war angeblich ein Stammlokal von Franz Biberkopf und wirbt noch immer mit dem Schriftzug von 1930 – offensichtlich herrscht dort »täglich Hochbetrieb!« (€ 600,-). Neben Architektur und Wohnungsbau, Mode und Design findet sich viel zum Thema Reisen, etwa das 1931 bei Meyer in Leipzig erschienene erste Handbuch zum Luftreisen, eine Anleitung für den Linien- und Privatflieger in Mitteleuropa, das wegen angeblich zum Missbrauch einladender detaillierter Routenbeschreibungen wohl gar nicht in den Buchhandel gelangte (€ 1.800,-).

Unterwegs Antiquariat, Berlin
Telefon 030 / 44 05 60 15
unterwegs[at]berlinbook[dot]com
www.berlinbook.com

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»Neue Reise unter die Wilden in Nord-America; oder merkwürdige Nachricht von den alten und neuen Gebräuchen und Sitten samt der Lebensart dieser Völker …« – Claude Le Beaus abenteuerlicher Bericht einer Rückkehr voller Hindernisse durch indianisches Territorium zwischen französischer und britischer Kolonie erschien 1752 parallel in zwei deutschen Übersetzungen. Susanne Koppel bietet in ihrem 57. Katalog die des Frankfurter Kaufmanns Johann Bernhard Nack, verlegt bei den Gebr. van Düren mit sechs Kupferstichen von Johann Michael Eben und einer Karte (€ 4.200,-). Weniger abenteuerlich, aber lesens- und ansehenswert sind die »Erinnerungen an Hamburg« des aus der Oberlausitz stammenden Diakons Wilhelm Gottlieb Georgi, der die Landhäuser und Gärten in Blankenese, Eimsbüttel, Hamm und Harvestehude bewunderte. Das mit vier Radierungen und einer Kupfertafel illustrierte Werk erschien 1803 bei Karl Tauchnitz in Leipzig (€ 500,-).
E. T. A. Hoffmann erkennt jeder auf den ersten Blick, wenigstens in seinen karikaturistischen Selbstporträts – ein solches findet sich in der von Eduard Hitzig versammelten Biografie des Freundes »Aus Hoffmann’s Leben und Nachlass«, 1823 bei Ferdinand Dümmler (€ 550,-). Und darüber hinaus beinahe 200 Bücher und Kleinschriften aus dem 17. bis 20. Jahrhundert.

Antiquariat Susanne Koppel, Hamburg
Telefon 040 / 45 44 07
info[at]antiquariat-koppel[dot]de

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Von 1915 bis 1815 unternahm Otto von Kotzebue eine »Entdeckungs-Reise in die Süd-See und in die Berings-Straße zur Erforschung einer nordöstlichen Durchfahrt«, wie der Titel dieses in der Erstausgabe seltenen Werkes lautet. Mehrere Kupfer- und kolorierte Aquatinta-Tafeln sowie Karten und Tabellen illustrieren den Pappband von 1821, erschienen bei Hoffmann in Weimar, den das Antiquariat Engel für € 3.400,- anbietet. Im Alphabet zwischen Heidegger und Hölderlin, jedoch mehr okkultistisch als philosophisch, aber mit dekorativem Titelblatt, steht der Henkelkreuzmann (Heinrich Tränker) mit seinem »Mystischen Feuerschein d. i. eine einfältige Lehre der hermetischen Bruderschaft im fixen Osten« – was wie eine Persiflage klingt, ist die ernst gemeinte Äußerung des Mitglieds einer pansophischen Loge (€ 80,-).
Grieshaber-Mappen gibt es viele, doch besonders schön ist die mit zwölf Holzschnitten und zwanzig Farblithographien über »Die rauhe Alb«, zu der Margarete Hannsmann einen Text beigesteuert hat. Das vorliegende Exemplar, von 550 im Jahr 1968 bei der Stuttgarter manus presse gedruckten, enthält eine handschriftliche Widmung des Künstlers an den Kollegen Wagenfeld: »aus der Wirklichkeit (die rauhe alb) vielleicht geformt?« Für € 750,- steht es zwischen fast 500 Werken im Engel-Katalog 211.

Engel & Co. GmbH, Stuttgart
Telefon 0711 / 24 04 13
info[at]buch-engel[dot]com
www.buch-engel.com

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Winfried Geisenheyners Katalog 90 enthält 220 Titel aus den Bereichen Kinder- und Bilderbücher, Märchen und Sagen mit einem Anhang zu Büchern und Originalen von Else Wenz-Viëtor und Hedda Obermaier-Wenz aus dem Familienarchiv; interessanterweise ist der stilistische Einfluss der Mutter auf die Tochter durchaus sichtbar. Die »Bänderfrau«, eine Marktfrau mit Kiepe und Kasten voller Schmuckbänder, zeigt ein frühes Aquarell (und eine Bleistiftskizze) aus dem Jahr 1920, das nie veröffentlicht wurde und für € 500,- zu haben ist.
Zwei Jahrzehnte früher entstanden, aber wesentlich moderner muten die beiden flotten Mädchen mit Zigarette im Mundwinkel und Hündchen an der Leine an, die Mathilde Ade für die Einbandgestaltung ihres »Überkinder-Bilderbuch«, die erste Ausgabe ihres ersten und einzigen Bilderbuchs, gezeichnet hat. Die zweite Auflage erschien dann unter anderem Titel, mit anderem Einband und verändertem Vorwort im J. F. Schreiber Verlag Esslingen & München (€ 980,-).
Aus dem Jahr 1945 stammt das italienische Spielbilderbuch mit Zeichnungen und beweglichen Klappen von Bruno Munari, der mit bizarren Linien und ungewohnten Perspektiven zu besonderen Entdeckungen anregt – und nicht zuletzt zur Beantwortung der Frage des (hier ins Deutsche übersetzten) Titels »Gigi hat seine Mütze verloren. Wo kann sie sein?« (€ 950,-).

Antiquariat Winfried Geisenheyner, Münster-Hiltrup
Telefon 02501 / 78 84
rarebooks[at]geisenheyner[dot]de
www.geisenheyner.de

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Genauso hat man sich das Schlaraffenland immer vorgestellt: die gebratenen Vögel fliegen einem ins Maul, der Wein gießt sich selbst ein und am Vorrat von Knödeln und Getier fehlt es mitnichten. Die Illustration stammt nebst zwei Dutzend weiteren von Karl Arnold, genau dem Simplicissimus-Zeichner, und entstand 1925 in kleiner Auflage für den Volksverband der Bücherfreunde. Andrea v. der Osten bietet den hübschen Band für € 680,- an. Deutlicher dem Simplicissimus-Stil verhaftet ist die Buschiade von Conrad Martin und Adolf Steinmann mit Illustrationen von Paul Haase: »Fritz und Franz, die bösen Buben von Berlin« erschien 1903 im Globus-Verlag und kostet ebenfalls € 680,-.
Über 300 »Variationen der Buchkunst« enthält ihr Katalog 82, darunter neben illustrierter Literatur und Kulturgeschichte zahlreiche Märchen- und Sagen-Bücher wie etwa den Band 22 aus Gerlach’s Jugendbücherei, in dem Franz Keim »Die Nibelungen, dem deutschen Volke wiedererzählt«. Die lithographischen Illustrationen in Farb- und Golddruck sowie der Buchschmuck im Wiener Jugendstil machen den 1909 gedruckten Band zu einem Höhepunkt der Buchkunst (€ 1.400,-).

Antiquariat Andrea v. der Osten, Bad Hindelang
Telefon 08324 / 95 35 25
mail[at]antiquariat-osten[dot]de








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