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Antiquariat Dr. Weinek (Stand 37 )
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Interessante und seltene Bücher des 15. bis 20. Jahrhunderts
Guckkasten um 1800 mit 41 gestanzten, kolorierten Guckkastenbildern. Guckkastenmaße 38 x 68 x 83 cm. Größe der Bilder 32,5 x 44,5 cm. Abgebildete Ansichten von der Felsenreitschule Salzburg, Haus der Freyherrlichen Familie von Hochental zu Leipzig, Kapitol zu Rom, Palast Bon-Retiro in Spanien und der Kaufmannshalle in London und vieler Metropolen Europas.
Wie kein anderer Bilderkasten zuvor, beinhaltete der Guckkasten das von Künstlern naturgetreu auf Bilder und Stiche gebannte Abbild der Welt in derartiger Perspektive, dass sich der Betrachter mittendrin wähnte. Im Gegensatz zur Laterna magica, bei der das Bild nach außen projiziert wird, erfolgt die Rezeption des Guckkastenbildes durch den Blick ins Innere des Gerätes. Näher als die magische Laterne steht dem Guckkasten die Camera obscura, deren wesentlichste Aufgabe darin bestand, Künstlern die perspektivische richtige Wiedergabe von Veduten zu erleichtern - eben diese Veduten waren wiederum ein beliebtes Sujet der Vorführungen im Guckkasten. Die Entstehung des Guckkastenprinzips fällt wohl in die Zeit der Renaissance, als gegen 1420 die Gesetze der Perspektive erstmals von Filippo Brunelleschi (1377-1446) erkannt wurden. Er wandte sie in seinen gemalten (allerdings verlorengegangenen) Florentiner Architekturbildern an. Gesicherte Nachrichten über den Guckkasten stammen aus dem 17. Jahrhundert. Vermutlich förderte das Barocktheater mit seinen tiefenräumlich konzipierten Kulissensystemen die Akzeptanz und Verbreitung der profanen Bildermaschine. Der Coburger Mathematikprofessor Johann Christoph Kohlhans (1604-1677) publizierte 1677 in den "Neu-erfundenen Mathematischen und Optischen Raritäten" die erste schriftliche und zeichnerische Bauanleitung - "Vom finstern Käst-lein" - für verschiedene Guckkastenmodelle. Kohlhans beschreibt den Einsatz von Linsen- und Spiegelsystemen für die Betrachtung und erwähnt auch die Möglichkeit, mehreren Personen - "zum wenigsten neun auf einmal" - gleichzeitig Einblick in den Kasten zu gewähren. Der Bilderkasten, wie ihn der Schausteller seinem Publikum präsentierte, bestand aus Holz und war mit einer oder mehreren schwach vergrößernden Linsen versehen. Die gängige Bauweise erforderte seitenverkehrte Bildvorlagen, da der Blick von der Linse über einen im Winkel von 45 Grad montierten Spiegel zum Bild führte. Die Ansicht wurde dafür flach auf den Boden des zwecks Beleuchtung hinten offenen Kastens gelegt. Typisch für das Guckkastenbild ist der in Spiegelschrift an der Oberseite angeführte Titel. Für die Herstellung bedeutete dies, dass im Gegensatz zu anderen Druckgrafiken die Zeichnungen für die Guckkastenbilder seitenrichtig auf die Druckvorlage gebracht wurden und ihre Umkehrung zum Spiegelbild durch den Druckvorgang erhielten. Wiederum umgekehrt, also seitenrichtig, konnten die Bilder dann im Guckkasten betrachtet werden. Daneben etablierte sich im 19. Jahrhundert die direkte Betrachtung des Objekts durch die Linse - ohne dazwischengestellten Spiegel. Hierbei befand sich die Bildvorlage gegenüber der Linse senkrecht an der Rückseite des Kastens. Diese Konstruktion erforderte keine seitenverkehrten Ansichten mehr und gestattete außerdem originelle Beleuchtungseffekte. Wollte der Vorführer dem Publikum eine besondere Attraktion bieten, legte er eine illuminierte Ansicht in seinen Kasten ein. Wo es sich anbot - bei Fenster- und Türöffnungen, Gestirnen, Laternen und Wasserreflexen - war der Stich ausgeschnitten und mit transparentem, farbigem Papier oder seltener mit Metallfolie oder Seide hinterklebt. Nun wurde das Bild im entsprechend gerüsteten Guckkasten wahlweise durch Auflicht oder Durchlicht erhellt, wodurch die gleiche Ansicht einmal in Tagesbeleuchtung und einmal als Nachtstück erschien. Der Guckkasten des Bad Ischler Fotomuseums kann mit diesen Effekten aufwarten. Aus einer Notiz des Wiener Conversationsblattes vom 11.11.1855 ist über dieses "Polyorama" genannte Gerät des in der Jägerzeile gastierenden Franz Hagi aus Salzburg zu erfahren, dass "dessen wesentlicher Bestandteil darin liegt, Ansichten gewisser Örtlichkeiten bei Tag- und Nachtbeleuchtung erscheinen zu lassen." (Ernst Kieninger - Doris Rauschgott in "Die Mobilisierung des Blicks"). Von aktuellem Interesse waren reportagehafte Aufnahmen von sensationellen Naturkatastrophen, wie etwa dem Hochwasser der Donau in Wien vom 28. Februar 1784. An der sukzessiv erscheinenden Folge arbeitete ein Dutzend von Stechern, die mit der Akademie assoziiert waren. Die Darstellungen sind mit kurzen Legenden viersprachig erläutert. Offenbar war ein entsprechend großer Verbreitungsraum einkalkuliert. Unter den Stichwörtern "Geographie" und "Landeskunde" füllen diese Blätter heute regelmäßig lange Listen in Auktionskatalogen. Doch entfalten die kolorierten Stiche erst dann ihren Reiz, wenn sie für den Gebrauch im Guckkasten präpariert sind. Nicht die verlags-frischen Abzüge, sondern die von den Guckkästnern bearbeiteten Blätter legen ein authentisches Zeugnis der Guck-kastenmode ab. Zur Vorführung stanzten die Guckkästner die Fensteröffnungen aus den Architekturdarstellungen aus und hinterklebten sie mit bemalten Papierstreifen und textilen Stoffen, die Gardinen imitieren sollten. Das mag bei Häuserzeilen wie in den Veduten von Zürich einen behaglichen Eindruck vermittelt haben, wirkt bei den Okuli und Lanzettfenstern des Florentiner Doms eher rührend. (Thomas Weidner in: Über Guckkästen, Guckkästner und Guckkastenbilder, Orell Füssli 1995) Lit. Die Sammlung Werner Nekes. Ich sehe was, was du nichts siehst. Verlag Steidl 2002. Derss. in Eyes, Lies and Illusions 2005) (Siehe Tafel 11)€Nun schließ ich meinen Kasten zu, und geh nach Haus in guter Ruh -Und wer sagt, dass ich ihn betrogenDer hats in seine Gusch gelogen.Schöne Spielwerk! Schöne Rarität!O bella Katherine! Scharmante Margreth!O schöne Spielwerk, o schöne Rarität!(anonymes Guckkastenlied)
Preis: 88000,- EUR
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