Der Verband Deutscher Antiquare 1949 - 2012
Der Verband Deutscher Antiquare e.V. ist die „Vereinigung von Buchantiquaren, Autographen- und Graphikhändlern“. Gegründet wurde diese 1949 – und 1960, und 1968.
Vorgeschichte
In der Weltwirtschaftskrise trieb die Inflation die Preise in illusorische Höhen; die Bücher wurden nicht wertvoller, aber teurer. Und die Konkurrenz wuchs. Verlockt durch die unbegrenzten Möglichkeiten der flotten Zwanzigerjahre schossen die „Inflationsantiquare“ (Bernhard Wendt) wie Pilze aus dem Boden. Ein Umsatzsteuergesetz und eine „Luxussteuer“ belasteten den ohnehin gebeutelten Handel. Abhilfe schaffen sollte ein Berufsverband, der die Antiquare in der jungen Weimarer Republik vertrat: Der Verein der deutschen Antiquariats- und Exportbuchhändler, gegründet in Leipzig, zählte bald 135 Mitglieder. So organisiert, brachte die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Reihe berühmter wissenschaftlicher und bibliophiler Antiquariate hervor. Damit war es zwischen 1933 und 1945 vorbei, als der Nationalsozialismus auch die Bibliophilie in Deutschland zunichte machte. Die renommiertesten Antiquare waren Juden, wenige emigrierten, viele verloren ihr Leben. Ihre Bestände wurden beschlagnahmt oder vernichtet.
Die Lager der verbliebenen Kollegen wurden gegen Ende des Zweiten Weltkrieges großenteils zerstört, wie in Leipzig zum Beispiel das Lager des Brockhaus/Antiquariums oder in Berlin die Bestände von J. A. Stargardt. Zudem wechselten in den ersten Nachkriegsjahren viele Antiquare vom Osten in den Westen. So ging Brockhaus etwa nach Stuttgart, Stargardt zunächst nach Eutin, dann nach Marburg, dann zurück nach Berlin, und auch Jürgen Voerster wagte den Neuanfang nicht mehr in Leipzig, sondern in Stuttgart. Keine günstigen Bedingungen für den Antiquariatsbuchhandel nach 1945, zumal die Menschen alles andere als den Luxus von Büchern oder Graphiken benötigten.
10. Juni 1949
„Five long years had put up extra barriers between nations. There was no communication. This enforced extra chauvinism and worse, hatred. Was there a possibility to do something about interhuman relationship, to bring nations more together? This was my dream; but how could it be realized? Only on common ground, on mutual interests, and therefore, for an antiquarian bookseller, by his love, THE BOOK!“ (Menno Hertzberger)
Auch und gerade in schwierigen Zeiten sollten die Antiquare in aller Welt und über alle Grenzen hinweg kooperieren. Das war die Motivation zur Gründung der International League of Antiquarian Booksellers (ILAB) – und indirekt für die Gründung des Verbandes Deutscher Antiquare, denn der Leipziger Verein der deutschen Antiquariats- und Exportbuchhändler bestand nicht mehr. In Amsterdam ergriffen 1947 die europäischen Kollegen um Menno Hertzberger, Percy H. Muir, André Poursin, Einar Grønholt-Pedersen und William S. Kundig die Initiative. Im September 1948 trafen sich die Antiquare aus Großbritannien, Frankreich, Schweden, Dänemark, den Niederlanden, Belgien, Italien, Finnland, der Schweiz und Norwegen offiziell zum ersten, konstituierenden Kongress der ILAB in Kopenhagen, deren erster Präsident der Schweizer William S. Kundig und deren erster Vizepräsident der Brite Percy H. Muir wurde. Weltweit verpflichteten sich die Antiquare in ihrem Code of Ethics dem fairen und professionellen Handel. Seit damals treffen sich die ILAB „affiliates“, die Muir „enthusiasts for internationalism in principle“ nannte, alle zwei Jahre zu einer Messe und einem Kongress in einer anderen Stadt, in einem anderen Land, zuletzt 2010 im italienischen Bologna, 2012 dann in Luzern und Zürich in der Schweiz.
1948 zählte die ILAB 10 Mitgliedsländer. Es war klar, dass die deutschen Antiquare dabei sein wollten. Am 10. Juni 1949 gründeten sie in München die Vereinigung Deutscher Buchantiquare und Graphikhändler e.V. Den Vorsitz übernahm Helmuth Domizlaff, Stellvertreter war Dr. Ernst L. Hauswedell; Willi Henrich, Dr. Georg Karl und Bernhard Wendt wurden Beisitzer und Schatzmeister. Der erste Schritt war getan.
Amor librorum nos unit
1951 nahm Helmuth Domizlaff als Beobachter am ILAB Kongress in Brüssel teil, wo mit nur einer Gegenstimme die deutschen Antiquare in die ILAB aufgenommen wurden. Seitdem sind die Verbindungen eng und engagiert: 1957 organisierten Dr. Lotte Roth-Wölfle, Dr. Georg Karl und Bernhard Wendt den 10. ILAB Kongress in München; 1977 richtete Hans Marcus die 7. ILAB Messe und den 24. ILAB Kongress in Düsseldorf aus. 1992 lud Dr. Christine Grahamer zusammen mit den Kollegen um Georg Schreyer und Gundel Gelbert zum 31. Kongress und zur 14. Messe nach Köln. Mit über 420 Kongressteilnehmern war dies der größte ILAB Kongress aller Zeiten. Die Teilnehmer fuhren mit einem Sonderzug nach Mainz ins Gutenberg-Museum, wo die Gutenberg-Bibel, aber auch die Repliken der Gutenberg-Druckerpresse im Museumsshop heiß begehrt waren. Zurück ging es mit einem Rheindampfer nach Köln. In der Erzbischöflichen Diözesan- und Dombibliothek hielten die Kollegen Codices vom 10. Jahrhundert bis zur Renaissance in den Händen, zum Farewell tafelten sie (ohne Feuerwerk) in Schloss Augustusburg – und auf der anschließenden Messe machten die über 200 Aussteller beste Geschäfte in der Kunsthalle Köln.
Zusätzlich gab es ein Junior-Programm, so dass auch junge Antiquare, die noch nicht lange im Geschäft waren, an Messe und Kongress teilnehmen konnten. Bereits in den Siebzigerjahren war Dr. Frieder Kocher-Benzing ILAB Präsident, außerdem über lange Jahre verantwortlich für die Vergabe des ILAB Breslauer Preises für Bibliographie. Von 2006 bis 2008 folgte ihm Michael Steinbach als ILAB Präsident, seit September 2008 vertritt Ulrich Hobbeling die deutschen Antiquare im ILAB Komitee.
Auch zum Presidents’ Meeting traf man sich schon mehrere Male in Deutschland: zuerst 1965 in Stuttgart, 20 Jahre später in München, 2003 in Potsdam. Einer der Höhepunkte war dort die Besichtigung der Bibliothek Friedrichs des Großen in Schloss Sanssouci. Ende September 2011 waren die Präsidenten der heute 23 Mitgliederorganisationen Gast des Verbandes beim ILAB Presidents’ Meeting in Weimar. Nach zwei Tagen voller Konferenzen und einem Book Fair Workshop wandelten die Delegierten auf den Spuren Goethes, Schillers, Wielands, Nietzsches und der Bauhauskünstler. Kultureller Höhepunkt war der Besuch der Anna-Amalia-Bibliothek, mit einer Besichtigung des restaurierten Rokoko-Saals und einem Vortrag über den Fortgang der Restaurierungen nach dem verheerenden Brand vor einigen Jahren.
1949 – 1960 – 1968: Die ersten Jahre des Verbandes Deutscher Antiquare e.V. waren wechselvoll, bis in die Namensgebung
Anfang der Sechzigerjahre provozierte die Neufassung des Versteigerergesetzes Meinungsverschiedenheiten. Das neue Gesetz sollte eine Ausnahme von der bisherigen Regel zulassen, wonach es Auktionatoren verboten war, Eigenware zu versteigern. Wurde diese Vorschrift abgeschafft, schien die Neutralität des Auktionators gefährdet, sobald die eigenen Objekte zum Ausruf kamen. Das befürchteten Bernhard Wendt, Dr. Otto Zeller, Adalbert Lauter und Dr. Lotte Roth-Wölfle. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung brachten sie ihr Misstrauen gegenüber der Gesetzesänderung zum Ausdruck und schlugen vor: Das Mitversteigern eigener Ware sollte nur unter der Bedingung erlaubt sein, dass diese eindeutig und für jeden ersichtlich als solche gekennzeichnet war. Es gab keinen Konsens. Am 3. Mai 1960 gründete ein Teil der Auktionatoren und Antiquare eine weitere Organisation: den Verband Deutscher Antiquare, Autographen- und Graphikhändler e.V. Zum Präsidenten wählten sie Günther Mecklenburg; Präsident der alten Vereinigung war damals Dr. Otto Zeller.
Ein Verband und eine Vereinigung …
Zwischen 1960 und 1968 gab es also eine „Vereinigung“ mit rund 120 Mitgliedern und einen „Verband“ mit nahezu 90 Mitgliedern. Ersterer schlossen sich neben Roth-Wölfle, Zeller, Wendt und Lauter auch Walter Seuffer (Friedländer & Sohn), Dr. Karl H. Pressler, Dr. Maria Conradt (Bücherkabinett Hamburg), Dr. Hans Schneider, Gerhard Scheppler, Felix O. Weigel (Otto Harrassowitz), die Antiquariate Th. Ackermann, J. Steinkopf, Dr. Martin Sändig, Joseph Fach, F. A. Brockhaus und Jacques Rosenthal an. Für Letzteren machten sich Günther und Klaus Mecklenburg (J. A. Stargardt), Dr. Ernst L. Hauswedell, Helmuth Domizlaff, Dr. h.c. Eduard Trauscholdt (C. G. Boerner), Karl Hartung, Erwin und Rolf Kistner, Fritz Eggert, Fritz Neidhardt, Hans Marcus, Hans Horst Koch und Dr. Frieder Kocher-Benzing stark.
… und eine Arbeitsgemeinschaft …
Natürlich wollten alle deutschen Antiquare gleich welcher „Vereinigung“ oder welchen „Verbandes“ an den ILAB Messen in London, New York, Paris und anderswo teilnehmen. Aber es konnte nur jeweils ein nationaler Verband Mitglied der ILAB sein – und das war bereits die 1949 gegründete „Vereinigung“. Mussten die Mitglieder des „Verbandes“ zu Hause bleiben? Man suchte und fand eine Lösung und rief (noch) einen Dachverband ins Leben: die „Arbeitsgemeinschaft deutscher Antiquare“. Im Wechsel geführt von Fritz Eggert (Verband) und Felix O. Weigel (Vereinigung), bestand deren einzige Aufgabe darin, den Kontakt zur ILAB zu halten. Deutsche Verhältnisse.
… bis zum 2. Februar 1968
Erst am 14. Oktober 1967 gab es wieder eine gemeinsame Sitzung von Verband und Vereinigung in Frankfurt am Main, in deren Folge man sich auf neue Richtlinien einig te. Am 2. und 3. Februar 1968 stimmten die Mitglieder von Verband und Vereinigung mit Erfolg über den gemeinsamen Neuanfang ab. Dies war die Geburtsstunde des heutigen Verbandes Deutscher Antiquare e.V. Das neue (alte) Logo – das Zeichen der Vereinigung, ein aufgeschlagenes Buch, umrahmt von dem neuen Verbandsnamen – war durchaus symbolisch zu verstehen. An der Spitze verteilte man sich paritätisch. Dr. Karl H. Pressler wählten die wiedervereinigten Antiquare zum Vorsitzenden, Fritz Eggert wurde Stellvertreter und Dr. Frieder Kocher-Benzing Schatzmeister. Beisitzer waren Dr. Maria Conradt und Klaus Mecklenburg.
Der 7. Gemeinschaftskatalog 1968 und der Katalog zur 8. Stuttgarter Antiquariatsmesse 1969 waren die ersten gemeinsamen Projekte. „Der deutsche Antiquariatsbuchhandel tritt nunmehr zweimal im Jahr mit einem gemeinschaftlichen Unternehmen an die Öffentlichkeit: im Februar mit der Stuttgarter Antiquariatsmesse und im September mit dem Gemeinschaftskatalog Deutscher Antiquare“, hieß es in den Vorworten beider Kataloge. Der Grundstein war gelegt. Die Antiquare hatten zwei „Schaufenster“ eingerichtet.
„Ein Querschnitt durch die Vielfalt des heutigen Altbüchermarktes“
Die Idee hatten Dr. Lotte Roth-Wölfle in München und Walter Seuffer bei Friedländer & Sohn in Berlin. Im November 1962 erschien der erste Gemeinschaftskatalog der Vereinigung Deutscher Buchantiquare und Graphikhändler e.V., den Lotte Roth-Wölfle über 15 Jahre lang redaktionell betreute. „Der Katalog zeigt einen Querschnitt durch die Vielfalt des heutigen Altbüchermarktes und seiner sich über fünf Jahrhunderte erstreckenden
Handelsgegenstände. Als Werbe- und Vertriebsmittel wendet er sich an alle am bibliophilen und wissenschaftlichen Buch sowie an graphischen Blättern interessierten Kreise.“ Was Felix O. Weigel damals formulierte, gilt noch heute, obwohl niemand mehr ohne Nostalgie von „Altbüchermarkt“ sprechen würde und die Bezeichnung „Gebrauchtbuchhandel“ derzeit eine ganz neue Bedeutung erhält. Antiquarische Bücher, Autographen und Graphiken haben mehr zu bieten als nur „Gebrauchtes“. Hier liegt das Berufsgeheimnis des Antiquars: dieses „Mehr“ in seiner Schönheit und Geschichtlichkeit zu zeigen und es in den Titelbeschreibungen der Antiquariatskataloge in Worte zu fassen. Aus diesem Gedanken heraus entstand der Gemeinschaftskatalog.
Viele Antiquare beteiligten sich an dem Projekt, das zunächst unter dem Titel Bibliophilie – Wissenschaften (später: Aus Bibliophilie und Wissenschaften), seit 1968 schlicht als Gemeinschaftskatalog einmal jährlich den Verbandsmitgliedern ein Forum schuf, das Schönste aus ihrem Lager einem breiten Publikum anzubieten. Die Auswahl bot einen interessanten Einblick in das bibliophile und wissenschaftliche Antiquariat, das damals noch zu den wichtigsten Zweigen der Branche gehörte. So ist der Gemeinschaftskatalog ein Stück Antiquariatsgeschichte geworden als erste „Antiquariatsplattform“ (noch) auf Papier, und das Blättern durch die frühen Jahrgänge ruft neben bekannten Namen fast vergessene Größen in Erinnerung: Theodor Ackermann und Dr. Emil Katzbichler in München, Hermann Kullmanns Armarium in Düsseldorf, Bernhard Wendt in Buch am Ammersee, das Bücherkabinett Hamburg, die Frankfurter Bücherstube, Bassenge und Wasmuth in Berlin, der „Journalfranz“ in Würzburg oder Harri Deutsch und Peter Naacher in Frankfurt. Der Gemeinschaftskatalog erschien bis 1999 insgesamt 38 Mal, zuletzt unter der Redaktion von Frank Albrecht.
Individualisten auf Erfolgskurs – 50 Jahre Stuttgarter Antiquariatsmesse
„Antiquare und Graphikhändler gelten im Allgemeinen als Individualisten und sind nicht leicht zu bewegen, sich an Gemeinschaftsunternehmungen zu beteiligen. Diese Verkaufsmesse, die von einer Reihe von Mitgliedern des Verbands durchgeführt wird, stellt einen ersten Versuch dar, das Interesse einer breiteren Öffentlichkeit durch eine gemeinsame Ausstellung zu gewinnen.“
Am Anfang stand diese eher verhaltene Prognose. Doch entgegen der Erwartung, die der damalige Vorstandsvorsitzende Günther Mecklenburg im Vorwort zum ersten Messekatalog äußerte, erwiesen sich die Antiquare als beständig und vor allem: als teamfähig. Bereits fünf Jahre später resümierte Dr. Frieder Kocher-Benzing:
„Jene Skepsis gehörte durch den Erfolg schon der ersten Messe rasch der Vergangenheit an.“
Heute ist die Stuttgarter Antiquariatsmesse die älteste Antiquariatsmesse Deutschlands und neben der London International Antiquarian Book Fair die zweitälteste in Europa. 2011 feierte sie ihr 50. Jubiläum.
1958 veranstaltete die Antiquarian Booksellers’ Association (ABA) die erste Londoner Messe. Damals noch in den Räumen der National Book League dauerte sie 14 lange Tage vom 6. bis 21. Juni. 1960 folgte das Mid-Atlantic Chapter der ABAA mit der ersten Antiquariatsmesse in New York. Deren Erfolg brachte die Stuttgarter Antiquare Fritz Eggert, Fritz Neidhardt und Dr. Frieder Kocher-Benzing auf die Idee, eine deutsche Messe zu etablieren. Die Bedingungen dafür schienen ideal: Stuttgart war und ist ein kultureller und wirtschaftlicher Anziehungspunkt, eine Buch- und Verlagsstadt mit langer, beeindruckender Tradition und einer lebhaften Kulturszene. Der Vorstand des Verbandes um Günther Mecklenburg, Dr. Frieder Kocher-Benzing, Dr. Ernst L. Hauswedell, Helmuth Domizlaff und Dr. h.c. Eduard Trauscholdt unterstützte das Projekt. Vom 8. bis 11. Februar 1962 war es so weit:
Die erste „Verkaufs-Messe des Verbandes Deutscher Antiquare, Autographen- und Graphikhändler“ öffnete im Gustav-Siegle-Haus ihre Tore.
„Der eigentliche Sinn (der Messe) … soll die persönliche Begegnung mit Bücherfreunden und Sammlern, mit den Leitern der Bibliotheken, Museen und Archive und mit den Kollegen des In- und Auslandes sein“, hieß es 1962. So ist es gekommen. Die Stuttgarter Antiquariatsmesse ist ein internationaler Treffpunkt, und auch wer ohne teure Einkäufe die Messe verlässt, empfindet
den Besuch als Gewinn. Man spricht miteinander, registriert, was auf dem Markt ist, und genießt die Gelegenheit, so viele wertvolle Bücher und Graphiken ohne „Berührungsängste“ bewundern zu dürfen.
Das Gesicht der Stuttgarter Antiquariatsmesse hat sich verändert. 1962 waren 21 Aussteller bei der Premiere dabei, darunter L’Art Ancien (Zürich), Helmuth Domizlaff (München), Wolfgang Ketterer (Stuttgart), Haus der Bücher AG (Basel), Louis Loeb-Larocque (Paris), die Kurbuchhandlung Bernhard Krohn (Badenweiler), H. O. Hauenstein (München) oder das Kunstkabinett Elfriede Wirnitzer (Baden-Baden). 1973 war die Ausstellerzahl schon auf 53 angewachsen und das Gustav-Siegle-Haus damit zu klein geworden. Man zog in das stilvolle Ambiente des Württembergischen Kunstvereins am Schloßplatz und begrüßte dort unter vielen anderen auch das von Walter Alicke geführte Antiquariat Interlibrum (Vaduz) und Ludwig Rosenthal’s Antiquariaat (Hilversum).
In den ersten Messekatalogen wurden keine Preise genannt. Es sollte kein reiner „Verkaufskatalog“ sein, sondern ein Anreiz, nach Stuttgart zu reisen. Wie heiß umkämpft die Bücher, Autographen und Graphiken waren, zeigen die Randbemerkungen mancher Besucher und Kollegen in ihren Handexemplaren, hier ein Reisespezialist 1965:
„Kohlhauer: Humboldt! Wieviel können wir zahlen?“
Legendär war viele Jahrzehnte der Run auf die Bücher bei Messeeröffnung, bei dem zuweilen Vitrinen, Regale, Treppenstufen und Sammlerkollegen um Haaresbreite n i c h t touchiert wurden. Erst 1973 setzte man Preise zu den Titelaufnahmen. Nur ein Jahr später entschuldigte sich der damalige Vorstandsvorsitzende Valentin Koerner im Messekatalog 1974 dafür, „nun leider – nach 12 Jahren – erstmalig“ Eintrittsgeld erheben zu müssen. Der Run auf die Messeobjekte blieb bis 2008 bestehen. Seitdem gilt auch in Stuttgart das Losverfahren, wenn es mehrere Interessenten für einen Titel aus dem Messekatalog gibt.
Von 1962 bis 1966 zierte „Helmert. Der deutsche Diogenes“ das Cover, in den Folgejahren wechselten sich Karikaturen und Miniaturen auf dem Katalogumschlag ab, bis sich der Messeausschuss 1970 für den „lesenden Tieck“ nach einem Scherenschnitt von Luise Duttenhofer entschied. Die Messeleitung hatte damals Jürgen Voerster inne, die Katalogredaktion übernahm für lange Jahre Carl-Ernst Kohlhauer. 1998 wurde es dunkel um den Stuttgarter Messekatalog mit dem elegant schwarz-blau stilisierten Buchschnitt. Zum 50. Jubiläum 2011 war es dann an der Zeit, den traditionellen „lesenden Tieck“ wieder in ein modernes Gewand zu kleiden.
Seit 2002 laden die Stuttgarter Messe und die Antiquaria / Ludwigsburg zum Auftakt der Messewoche ins Literaturhaus. Zum 50. Stuttgarter und 25. Ludwigsburger Jubiläum fragten dort Denis Scheck und Rainer Moritz:
„Wieviele Bücher braucht der Mensch?“ Viele, natürlich!
Seit 2006 sind die Ausstellungen im Rahmen und in den Räumen der Stuttgarter Antiquariatsmesse eine viel beachtete Veranstaltung, zu der jeweils ein bibliophil gestalteter Katalog erscheint. Und die Vernissage am Messesamstag ist jedes Jahr ein besonderes Ereignis. Gewidmet waren die bisherigen Ausstellung dem Messebegründer Fritz Eggert, dem Antiquariatskatalog und seiner Geschichte mit einem hinreißenden Vortrag von Reinhard Wittmann, Stefan George und dem Schicksal des Stuttgarter Verlages Levy & Müller, dessen Geschichte Friedrich Pfäfflin in einer bemerkenswerten Studien mit Werkverzeichnis nachgezeichnet hat. Zum 50. Messejubiläum waren Ausstellung und Vernissage dann einem ganz besonderen Thema gewidmet sein. Der Verband Deutscher Antiquare hat Ernst Fischers biographisches Handbuch „Verleger, Buchhändler und Antiquare aus Deutschland und Österreich in der Emigration nach 1933“. Konnte es einen würdigeren Ort geben, diese immense wissenschaftliche Leistung der Öffentlichkeit vorzustellen?
51 Jahre Stuttgarter Antiquariatsmesse – Ein Dinosaurier ist in die Jahre gekommen.
Doch bei allen Veränderungen ist das Grundkonzept erhalten geblieben: Die Messe ist ein Marktplatz für den internationalen Handel, ein Mekka für Bibliophile und ein großes Ereignis in der Region, ein Ort der Begegnung für alle Buch- und Kunstinteressierten. Das Konzept ging – und geht – auf. 1962 nahmen 21 Antiquare, Autographen- und Graphikhändler an der ersten Messe teil. 2012 werden 80 Aussteller aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, den USA, Italien, Ungarn und Großbritannien im Württembergischen Kunstverein vertreten sein. Fünf Antiquariate sind der Messe von Beginn an treu geblieben: C. G. Boerner (Düsseldorf), Fritz Neidhardt (Stuttgart), August Laube (Zürich), Hellmut Schumann (vormals Schumann & Heinimann) und J. A. Stargardt (damals Marburg, heute Berlin) waren schon 1962 im Gustav-Siegle-Haus vertreten. 1964 reiste sogar ein Kollege aus Tecklenburg im Teutoburger Wald an: H. D. v. Diepenbroick-Grüter zeigte
„Porträts aller Nationen und Professionen, einfache und kostbare Blätter“.
Einen wesentlich weiteren Weg hatte im selben Jahr der argentinische Antiquar Dr. J. Pablo Keins (Buenos Aires). Die Firma Keip ließ sich bei der Messepremiere durch Georg Sauer und das Antiquariat Sauer & Keip vertreten; später reiste für Keip das Hamburger Antiquariat mit Harald Wiermann an. 1964 debütierten die Galerie Valentien und das Antiquariat Müller & Gräff aus Stuttgart. 1965 kam Hanno Schreyer aus Bonn zum ersten Mal nach Stuttgart; sein Sohn setzt die Tradition fort. Seit 1966 zählten das Kunstantiquariat Siegfried Brumme aus Frankfurt und die Karl Pfankuch AG (später Klittich-Pfankuch) aus Braunschweig zu den Teilnehmern. Nach dem Zusammenschluss von Vereinigung und Verband 1968 fanden auch das Brockhaus/Antiquarium (Stuttgart, später Kornwestheim) und das Münchener Antiquariat Robert Wölfle den Weg nach Stuttgart.
Weitere Händler kamen und gingen: Goldschmidt & Co (London), Gunnar Kaldewey (Hamburg), Dr. Hans Schneider (Tutzing), Martin Breslauer (London), Günter Leisten (Köln), Jean Rousseau Girard (Paris), Thulin’s Antiquariat (Österbymo), Hans Marcus (Düsseldorf), das Commerz Cabinett (Hamburg), Dr. Ernst L. Hauswedell (Hamburg), Hans-Horst Koch (Berlin), Maggs Bros. (London), Bernard Quaritch (London) sowie die Kolleginnen und Kollegen aus Kopenhagen von Branners Bibliofile Antikvariat und Rosenkilde and Bagger. Heribert Tenschert ist ebenso unter den jährlichen Stuttgarter Ausstellern wie Herbert Blank, Reiss & Sohn, Th. Stenderhoff, Tresor am Römer und zahlreiche ILAB Kollegen wie Inlibris aus Wien, Botanicum (Lynden, USA) und Bernard J. Shapero aus London. Das alles spricht für eine bemerkenswerte Kontinuität.
Neben die Tradition ist die Innovation, neben die Aussteller von 1962 sind eine Reihe von Kollegen getreten, die in Stuttgart reüssiert und mit den Jahren die Messe bereichert haben. Auch wenn die Messelandschaft seit den Neunzigern vielfältiger geworden ist:
In Stuttgart scheint man das Kunststück zu vollbringen, sich eine gewisse Unverwechselbarkeit zu erhalten - seit über 50 Jahren.
Kölsches Intermezzo
Anfang der Achtzigerjahre ging man „mit vollen Segeln“ ins dritte Jahrzehnt, schrieb Godebert M. Reiß 1982 über die Stuttgarter Antiquariatsmesse. Die Zahl der Aussteller war auf 63 angewachsen; immer mehr Verbandsmitglieder wollten teilnehmen – ein Wunsch, der angesichts der damaligen Raumkapazitäten zu Problemen führte. Von 1986 bis 2000 fand daher im Gürzenich die Kölner Antiquariatsmesse als zweite Verbandsmesse statt.
Stuttgart und Ludwigsburg
Ein Rechenexempel: 2011 gab es 2 Jubiläen. Die Stuttgarter Antiquariatsmesse fand zum 50. Mal, die Antiquaria in Ludwigsburg zum 25. Mal statt. Im Stuttgarter Kunstgebäude waren 80 Aussteller, in der Ludwigsburger Musikhalle rund 54 Aussteller zugegen. Macht insgesamt 130 Antiquarinnen und Antiquare, die an 1 Wochenende das bunte Spektrum des Antiquariatsbuchhandels mit Büchern, Autographen und Graphiken von 20 bis zu 2 Millionen Euro präsentieren. So viel Bibliophilie, für ein Kombiticket. Wo gibt es das schon? Seit 2002 hat die Stuttgart-Ludwigsburger Messewoche einen gemeinsamen Auftakt, der jedes Jahr im Stuttgarter Literaturhaus mit einem Vortragsabend gefeiert wird. Veranstalter sind der Verband Deutscher Antiquare und Petra Bewer, die Organisatorin der Antiquaria / Ludwigsburg. Beim ersten Mal diskutierten Herbert Blank, Vincent Klink, Petra Bewer und Otto Jägersberg über Das zweite Leben der Bücher. 2005 kreisten Klaus Wagenbach, Michael Klett und Peter Nils Dorén Rund um das Buch und den „Schutzumschlag und seine Zeiten“. Was bleibt … hieß es 2007: Am Erinnerungsabend für Horst Brandstätter war das Literaturhaus bis auf den letzten Platz gefüllt. Ebenso 2010, als Friedrich Pfäfflin zuerst im Literaturhaus, dann im Württembergischen Kunstverein seine viel beachtete Bibliographie des Stuttgarter jüdischen Verlages Levy & Müller vorstellte. So setzen die Stuttgarter Antiquariatsmesse und die Antiquaria / Ludwigsburg neben dem merkantilen auch ein kulturelles Highlight in der Region – seit über 50 respektive 25 Jahren.
Schriften zur Geschichte der Bibliophilie und des Antiquariatsbuchhandels
Das gedruckte, bibliophile Buch in Zeiten des Internets. Seit 2006 publiziert der Verband Deutscher Antiquare eine Schriftenreihe zur Geschichte der Bibliophilie und des Antiquariatsbuchhandels, die eine Synthese von Buchkunst und Buchwissenschaft darstellt, indem sie historische, buchwissenschaftliche und buchkünstlerische Themen, von namhaften Gelehrten bearbeitet, in bibliophilen, limitierten Auflagen der Öffentlichkeit vorstellt.
2006 wäre Fritz Eggert 80 Jahre alt geworden. Anlass genug für Friedrich Pfäfflin, Frieder Weitbrecht und die Württembergische Landesbibliothek, in einer Ausstellung die bemerkenswerte Karriere des in jeder Hinsicht großen Antiquars zu würdigen, der mit einer „Versandbuchhandlung mit Antiquariat und Esspressoausschank“ begann, Shakespeares First Folio verkaufte und, so nebenbei, einer der Väter der Stuttgarter Antiquariatsmesse wurde. Der Verband Deutscher Antiquare ergriff die Möglichkeit, die Ausstellung im Rahmen der Stuttgarter Antiquariatsmesse 2007 ein weiteres Mal zu zeigen und dazu einen von Friedrich Pfäfflin in Gemeinschaft mit Susanne Koppel und Frieder Weitbrecht gestalteten Katalog herauszugeben: „… vom Finderglück …“ – Der Antiquar Fritz Eggert 1926–1981. Am Messesamstag lud der Verband zur Vernissage in den Kunstverein. Die Vorträge von Eberhard Jäckel, Frieder Weitbrecht und vor allem von Susanne Koppel, die aus ihrer Zeit als Mitarbeiterin von Fritz Eggert erzählte, waren ein voller Erfolg. Der aus diesem Anlass erschienene Katalog ist mittlerweile vergriffen. Das forderte eine Fortsetzung. 2008 gestaltete Pfäfflin aus der Sammlung Wittmann eine Ausstellung samt Katalog unter dem Titel Von Schätzen & Scharteken – Antiquariatskataloge im 19. Jahrhundert. Zur Vernissage hielt Reinhard Wittmann einen lehrreichamüsanten Vortrag über die Geschichte des Antiquariatsbuchhandels, wobei Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten zwischen den Antiquaren des 19. und des 21. Jahrhunderts nicht ausgeschlossen waren. Eberhard Köstler und Lorenzo Petrocca setzten den musikalischen „i-Tupfen“ auf den gelungenen Abend.
Seitdem gehören Ausstellung und Katalog zum festen Bestandteil des Stuttgarter Messeprogramms; die „Schriften zur Geschichte der Bibliophilie und des Antiquariatsbuchhandels“ nahmen damit ihren Anfang. 2009 zeigte das George-Archiv der Württembergischen Landesbibliothek unter der Regie von Ute Oelmann Manuskripte, Zeichnungen und Erstausgaben von Stefan George, Melchior Lechter und anderen zeitgenössischen Buchkünstlern. Ausstellung und Katalog „Das doch nicht äusserliche“ – Die Schrift- und Buchkunst Stefan Georges waren nach Georges typographischem Vorbild konzipiert. Im selben Jahr erschien anlässlich des 60. Jubiläums des Verbandes eine kommentierte Neuausgabe von Max Ziegerts Schattenrissen deutscher Antiquare, mit einem Essay von Reinhard Wittmann.
Ein ganz besonderes Ereignis war 2010 das Erscheinen von Friedrich Pfäfflins Bibliographie und Geschichte Levy & Müller. Verlag der ‚Herold-Bücher‘ Stuttgart 1871 · 1895 · 1933 · 1936 · 1949 · 1951. In jahrelanger Arbeit hatte Friedrich Pfäfflin die Geschichte des jüdischen Verlages recherchiert, dessen Publikationen bibliographiert und auf diese Weise eine ebenso beeindruckende wie bedrückende Episode der Verlagsgeschichte ans Licht gebracht. 2011 wurde die Reihe mit einer der wohl wichtigsten Studien zur Geschichte des Antiquariatsbuchhandels fortgesetzt: Der Verband Deutscher Antiquare gab Ernst Fischers biographisches Handbuch Verleger, Buchhändler und Antiquare aus Deutschland und Österreich in der Emigration nach 1933 heraus.
Handbuch des Verbandes
Schließlich das Handbuch des Verbandes Deutscher Antiquare: Es ist viel mehr als „nur“ ein Mitgliederverzeichnis. Im literarischen Teil des alle zwei Jahre aktualisierten Handbuches sind Auszüge aus Romanen von Raymond Chandler, aus Ziegerts Schattenrissen, aus Philip Bloms Studien über Sammelwunder – Sammelwahn oder auch „historisch-empirische Analysen“ wie Eduard Fischer von Röslerstamms Erörterung aus dem Jahr 1900 Ist der Bücherstaub dem Menschen schädlich? erschienen. Die Neuausgabe 2011/2012 enthält Essays von Umberto Eco, Alberto Manguel und Jürgen Serke und zeigt mit den Arbeiten von Rafael Neff den Blick eines zeitgenössischen Fotografen auf die jahrhundertelange Tradition der Bibliotheken.
Fortbildung mit „Wohlfühlfaktor“
Bücher eröffnen Welten, sind ein Stück Geschichte. Ihr Wert drückt sich auch, aber nicht nur in Zahlen aus. Je mehr Geschichte und Kultur ein Antiquar zu vermitteln weiß, desto faszinierender und profitabler gestaltet sich sein Metier. Das ist Teil seiner Geschäftsphilosophie und wesentlicher Faktor des Erfolgs.
Fortbildungsseminare für Antiquare gab es schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts, bis 1920 in Berlin unter der Leitung von Fritz Homeyer die vorläufig letzte Veranstaltung stattfand. 1971 wurden dann wieder die Kollegen aus dem Münchener Umkreis aktiv. Werner Fritsch, Karl Hartung, Raimund Kitzinger und Dr. Lotte Roth-Wölfle organisierten das erste Seminar seit 50 Jahren. Am 1. und 2. Mai 1971 trafen sich 25 junge Antiquare im Pavillon des Amerika-Hauses am Münchener Karolinenplatz. Rolf A. Winkler referierte über graphische Techniken, Josef Benzing über den Buchdruck des 16. Jahrhunderts, Dr. Hans Schneider sprach über Musikdrucke in einer kollegialen, fast familiären Atmosphäre, an die sich nicht nur Lotte Roth-Wölfle gut erinnert. Hans Schneider dozierte nicht, er „plauderte“ bei einem Glas Wein über Musikdrucke und vermittelte „wie nebenbei“ das Wissenswerte. Geblieben ist diese entspannte Atmosphäre, die eine Vermittlung von Fachwissen nicht ausschließt, bis heute. Matthias Glatthor brachte es in Aus dem Antiquariat auf den Punkt: Das Besondere am Seminar sind das hohe wissenschaftliche Niveau der Vortragenden und der „Wohlfühlfaktor“.
Lotte Roth-Wölfle – Ideenspenderin, Mitinitiatorin und Seele des Seminars – zog sich 2005 nach fast 25 Jahren aus dem Fortbildungsausschuss zurück. In der Anfangszeit traf man sich im Auktionshaus Karl & Faber, später wechselte man zu Hartung & Hartung und 1983 zu Zisska & Kistner, heute Zisska, Schauer & Co. 2006 gingen die Seminarteilnehmer erstmals auf Reisen. Auf Einladung des Verbands der Antiquare Österreichs verbrachten sie vier ereignisreiche Tage in Wien, angefüllt mit Vorträgen über den Wiener Frühdruck, „Versteckte Bücher – Bücherverstecke“ in Tarnschriften oder die Entde ckungsreisenden des Alpenstaates, mit einer Exkursion nach Göttweig, Führungen durch die Österreichische Nationalbibliothek und das Globenmuseum. 2008 zog es die Antiquare in den Norden. In Hamburg hatten die Kollegen um Meinhard Knigge und Christian Höflich ein beeindruckendes Programm zusammengestellt: von der Sammlung Hilmar Ley mit hebräischen Handschriften über Roland Jaegers Vortrag über Hamburg im Fotobuch der Zwanzigerjahre bis zu „Schifffahrt und Kartographie um 1600“ am Beispiel von Levinus Hulsius und Theodore de Bry war alles geboten. „Eine wahre Wundertüte“, schrieb Sabine Keune auf der Internetseite des Verbands. Zu Recht: Die Reihe der geistigen und sonstigen Genüsse der antiquarischen Studienreisen ist zu lang, um sie vollständig zu nennen. Fortgesetzt wurde die Reihe 2010 mit dem 40. Fortbildungsseminar in Berlin. Markus Brandis und Stephan Schurr vom Auktionshaus Bassenge hatten ein vielfältiges Programm organisiert, das einmal mehr bewies: Berlin ist doch mehr ein Weltteil als eine Stadt. 2011 folgten zahlreiche Antiquare der Einladung zum Seminar nach München zum Thema „Bilder Bilder Bilder“, wo auch Godebert M. Reiß einen viel beachteten Vortrag hielt, auf dem er Schätze aus der eigenen Sammlung von Atlanten, Tafelwerken und Reisebeschreibungen zeigte.
Auktionspreise Online
Verlässliche Recherchen, nachvollziehbare Preisfindung in allen Preissegmenten. Seit Januar 2008 erleichtert dies ein gemeinsames Projekt des Verbandes Deutscher Antiquare und der führenden Buch- und Kunstauktionshäuser: Auktionspreise Online. Zugriff auf die Datenbank haben ausschließlich registrierte Benutzer, nach vorheriger Anmeldung beim Verband und gegen eine gestaffelte Gebühr, die für Verbandsmitglieder und Kollegen der Partnerorganisationen sehr gering ausfällt. Der Zugang ist nur über ein persönliches Passwort möglich, ein Kopierschutz sorgt für größtmögliche Sicherheit. Das „Googeln“ von Auktionspreisen für Jedermann ist nicht vorgesehen.
Auktionspreise Online wurde von Antiquaren und Auktionatoren für Spezialisten konzipiert. Mittlerweile beteiligen sich neben den deutschen auch zahlreiche europäische Auktionshäuser mit ihrem gesamten Datenbestand an Auktionspreise Online. Darüber hinaus ist es gelungen, die Daten aus Radtkes „Taschenbuch der Auktionspreise“ zu integrieren, so dass mittlerweile über 1,5 Millionen Versteigerungsergebnisse mit nur einem Klick verfügbar sind, einschließlich der ungekürzten Titel- und Zustandsbeschreibungen, allen Schätzpreisen, Zuschlägen, Rückgängen. Das Projekt ist längst nicht abgeschlossen. Weitere Auktionshäuser haben ihre Beteiligung zugesagt. Auch eine Datenbank für Schriftvergleiche als Hilfsmittel für den Autographenhandel ist geplant.
10. Juni 2009
60 Jahre Verband Deutscher Antiquare: Viele Kollegen waren am 10. Juni 2009 nach München gekommen. Es begann mit einem literarischen Spaziergang durch den Englischen Garten auf den Spuren Thomas Manns, Oskar Maria Grafs und anderer Schriftstellergrößen. Dichtes Gedränge und fröhliche Stimmung herrschten beim Empfang auf der Terrasse im Restaurant am Chinesischen Turm und dem anschließenden Büffet, das Eberhard Köstler – der den Jubiläumsabend mit viel Herz und Engagement vorbereitet hatte – durch kurzweilige Programmpunkte zu unterbrechen wusste.
„Ganz wie im Fernsehen“ bat er zum „antiquarischen Quintett“ und Dr. Lotte Roth- Wölfle, Christine Grahamer, Friedrich Zisska, Roger Klittich und Frieder Weitbrecht gaben manche Anekdote aus den frühen und späteren Zeiten des Verbandes zum Besten. So erfuhr man en passant, dass Bernard Breslauer einst per Concorde aus den USA zum Fortbildungsseminar einflog, auch von legendären Stuttgarter Messefesten mit „blinden Versteigerungen“ war die Rede und vor allem von der sprichwörtlichen Freundlichkeit und Kollegialität Menno Hertzbergers und Bernard Rosenthals, mit der die deutschen Antiquare Anfang der Fünfzigerjahre in die ILAB aufgenommen wurden. Nach dem (opulenten) Nachtisch wurden Max Ziegerts Schattenrisse deutscher Antiquare vorgestellt. Und dann hieß es „Fly me to the moon“, von Michael Raab und Eberhard Köstler auf Piano und Querflöte vorgetragen. Die Bravo-Rufe verlangten mehr als nur eine Zugabe. Den 50. Geburtstag habe man nicht gefeiert, dafür den 60., sagte Eberhard Köstler am frühen Abend zur Begrüßung der Gäste. Lange nach Mitternacht war man sich einig: Es sollte nicht die letzte Jubiläumsfeier in der Verbandsgeschichte bleiben.
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Termine
53. Stuttgarter Antiquariatsmesse
24. bis 26. Januar 2014 im Württembergischen Kunstverein
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Geschäftsstelle: Norbert Munsch
Seeblick 1, 56459 Elbingen
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