Botschafter des Buches – ILAB / VDA Patrons of Honour

Dr. Michael Knoche und Professor Dr. Reiner Speck

Der Verband Deutscher Antiquare und die International League of Antiquarian Booksellers (ILAB) freuen sich außerordentlich, Professor Dr. Reiner Speck (Köln) und Dr. Michael Knoche (Weimar) für ihre hervorragenden Verdienste um das Buch und die Bibliophilie als Botschafter des Buches, als ILAB / VDA Patrons of Honour auszuzeichnen.

Vor einem Jahr hat die ILAB in Zusammenarbeit mit den nationalen Mitgliedsverbänden eine Initiative ins Leben gerufen, um weltweit renommierte Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um das Buch und dessen Kultur verdient machen, den ILAB Patrons of Honour Award zu verleihen. Bisher wurden Umberto Eco in Italien, Sid Lapidus sowie Jay und Jean Kislak in den USA, René Fayt in Belgien, Sir David Attenborough und Barry Humphreys in Australien und Großbritannien diese Ehre zuteil. Nun folgen mit Professor Dr. Reiner Speck und Dr. Michael Knoche zwei außergewöhnlich engagierte Anwälte für das historische Buch von internationalem Rang.

ILAB Patrons of Honour sind passionierte Buch-Menschen: Sammler, Bibliothekare, Wissenschaftler, Publizisten, Antiquare, Bibliophile. Durch ihre besondere Hingabe an die Buchkultur sind sie nicht nur unsere Kunden, sondern auch Partner und Inspiration für unser Handeln. Ohne sie gäbe es keine Bibliophilie, ohne sie gäbe keinen Antiquariatsbuchhandel, und ohne sie wäre die Buchkultur um Vieles ärmer. Die Sammlungen, die die ILAB Patrons of Honour aufgebaut haben, die Bibliotheken, die sie pflegen, betreuen und wissenschaftlich dokumentieren, bereichern das kulturelle Leben in Deutschland, Europa und auf der ganzen Welt. Damit legen sie den Grundstein dafür, dass auch in den künftigen Generationen die Buchkultur eine lebendige Kultur sein wird. Dafür gebührt ihnen unser Dank.

Dr. Michael Knoche - Eine Würdigung von Christian Hesse

Es gibt Daten, an die bzw. an deren Ereignisse man sich nach Jahren erinnert. Viele von Ihnen wissen sicher noch ganz genau, was sie am Abend des 9. November 1989 getan haben, als Günther Schabowskis Ankündigung auf der Berliner Pressekonferenz die Mauer fallen ließ. Was taten Sie am Nachmittag des 11. September 2001, als uns die Bilder der einstürzenden Twin Towers in Manhattan erstarren ließen? Am 2. September 2004 war ich auf dem Weg von Stuttgart nach München und sah, dort angekommen, im Hotel im Fernsehen die erschütternden Bilder der in Flammen stehenden Anna Amalia Bibliothek. Unvergessen bleiben die Bilder der vielen Helfer, die zwischen Flammen und Löschwasser die Schätze der Bibliothek zu retten versuchten. Darunter auch Dr. Michael Knoche, seit 1991 Direktor der Bibliothek. Zum Ort der Katastrophe gerufen, rettete er unter anderem die zweibändige Luther-Bibel von 1534.
 
Sein Einsatz stand am Anfang einer in der deutschen Bibliotheksgeschichte einmaligen Wiederauferstehung: Fördermittel und Spendengelder sowie ein auf Modernisierung und Publikumswirksamkeit ausgerichtetes Konzept für den Bibliotheksbetrieb haben in den vergangenen acht Jahren ein Kleinod der deutschen Buchgeschichte wiedererstehen lassen. Die Jahre seit dem Brand sind geprägt von der Konservierung und der Rettung der beschädigten Bücher, der Ersatzbeschaffung der unrettbar zerstörten Bücher und zugleich der Eröffnung des Neubaus und des Studienzentrums. Ein Ausstellungskonzept, dass einer interessierten Öffentlichkeit die Schönheit und kulturelle Bedeutung des Kunstwerkes „Buch“ vor Augen führt, der wunderbar restaurierte Rokokosaal und ein Mitarbeiterteam, das unter Leitung von Michael Knoche diese Ideen lebendig erhält, haben aus der HAAB eine offene Bibliothek werden lassen, die nicht nur das Wissen von Jahrhunderten bewahrt, sondern dieses in unnachahmlich intensiver Weise dem Besucher nahe bringt.
 
Die Leistungen und Ehrungen Dr. Michael Knoches sind nur in Auszügen aufzählbar: Studium der Germanistik, Philosophie und Theologie in Tübingen; Promotion in Germanistik; Tätigkeiten als Bibliothekar in Karlsruhe und Köln sowie bei Verlagen in Berlin und Heidelberg; seit 1991 ist er Direktor der Herzogin Anna Amalia Bibliothek unter dem Dach der Klassik Stiftung Weimar. 2008 wurden ihm das Bundesverdienstkreuz und der Gutenberg-Preis der Stadt Mainz verliehen. Michael Knoche ist Mitglied u.a. im Beirat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, im Kuratorium der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel und im Nationalen Nominierungskomitee für das Weltdokumentenerbe-Programm der UNESCO. Er veröffentlichte zahlreiche Beiträge und Bücher zu Bibliothekswissenschaft und Literaturgeschichte.
 
Ich freue mich und bin stolz, dass Dr. Michael Knoche, der hochdekorierte Bibliothekar, der durchs Feuer ging, das Ansinnen des VDA und der ILAB, ihn zum Patrons of Honour zu ernennen, angenommen hat.

Professor Dr. Reiner Speck - Eine Würdigung von Christian Hesse

Sammler sind glückliche Menschen! Dieses viel strapazierte, Goethe zugeschriebene Zitat verleitet uns, nach den genaueren Ursachen und Umständen des Sammelns zu fragen, die uns, respektive den Sammler glücklich machen. Zunächst denken wir an das Jagdglück, an den Glücksfund, die Trouvaille. Da wird durch systematisches Suchen oder glückliche Entdeckung die Sammlung wieder um ein Stück bereichert und vervollkommnet. Dann sehen wir den Sammler vor den sich füllenden Regalen, Wänden und Schränken und der Blick auf die Sammlung als Ganzes erfüllt ihn mit diesem Glück des Besitzenden. Wenn nicht die räumliche, zeitliche oder finanzielle Begrenztheit der Ressourcen dem Sammeln Einhalt gebietet – und mit einer dieser Beschränkungen werden wohl die meisten privaten Sammler irgendwann konfrontiert - ist er wahrhaft glücklich oder könnte zumindest mit Blick auf sein Sammlersein als glücklich gelten. Professor Dr. Reiner Speck formuliert in dieser Hinsicht allerdings erheblich drastischer:

„Wer nur an die Grenzen seiner materiellen Möglichkeiten geht und nicht darüber hinaus, verdient den Namen ‚Sammler’ nicht.“

„Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt“, belehrt uns Albert Schweitzer und so haben wir nun einen Ansatz gefunden, der zur einer quantensprunghaften Vermehrung des Sammlerglücks führen kann: Man erwarte nicht die Abgabe der Hälfte aller Bücher oder gar die Abgabe der Hälfte jedes Buches, wir denken hier an die abgeleiteten Formen „mit-teilen“ und „teil-haben“. Wenn es dem Sammler gelingt, andere Menschen an seinem Wissen, an seinen Schätzen und dem Wissen um seine Schätze teilhaben zu lassen, wenn er ihnen von seinem Glück und den Wegen dazu etwas mitteilt, erfüllt die Sammlung einen weit über den Besitz des Einzelnen hinausreichenden Zweck.

In diesem Sinne gewinnen der VDA und die ILAB mit Professor Dr. Reiner Speck einen glücklichen Menschen als Botschafter unserer gemeinsamen Sache. Seine international als einzigartig einzustufenden Sammlungen zu Petrarca und Marcel Proust teilt er seit vielen Jahren auf unterschiedlichste Art und Weise. Seit seiner Promotion entspringt seiner Feder ein nicht abreißender Strom von Rezensionen, Vorträgen, Kritiken, Essays und Büchern über Kunst, Medizin und Literatur. Bereits 1982 gründete der in vierter Generation erfolgreiche Mediziner die deutsche Marcel-Proust-Gesellschaft, 2008 folgte die Dr. Speck Literaturstiftung.

2011 erwarb Reiner Speck das zweite Privathaus des 2007 verstorbenen Kölner Architekten Oswald Mathias Ungers, das von seinem Schöpfer als „Haus ohne Eigenschaften“, vom jetzigen Hausherrn ergänzend als  „Casa senza qualitá« bezeichnet wurde. Sowohl die „Biblioteca Petrarchesca“ als auch die „Bibliotheca Proustiana“ fanden hier angemessene Unterbringung. Hier können die Schätze bewundert werden. Durch Veranstaltungen und Vorträge teilt Reiner Speck seinen Besitz mit uns. Auch einige Verbandskollegen waren 2012 anlässlich des Fortbildungsseminars des Verbandes Deutscher Antiquare in der glückhaften Lage, Sammlung, Sammlungsort und die Ausführungen des Sammlers zu erleben. Es ist – und hier schließt sich der Kreis der lobenden Worte – ein sich öffnendes Museum, dass uns der glückliche Sammler schuf. Und ein Museum musste wohl sein, denn Professor Dr. Reiner Speck verweist selbst in einem seiner Vorträge auf Marcel Prousts Sentenz:

"Eine Privatsammlung muss sich zum Museum machen sonst kränkt sie die Allgemeinheit."

Die Ehrung von Professor Dr. Reiner Speck und Dr. Michael Knoche fand im Rahmen der 52. Stuttgarter Antiquariatsmesse am Samstag, den 26. Januar 2013, um 18.30 Uhr im Württembergischen Kunstverein statt.

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57. Stuttgarter Antiquariatsmesse
26. bis 28. Januar 2018
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