48. Seminar für Antiquare vom 13.–16.9.2018 in Hannover, Bargfeld und Celle

Den Bericht zum Seminar 2018 in Hannover finden Sie → hier.


Ein fränkisches Füllhorn

47. Seminar für Antiquare vom 7. bis 10. September 2017 in Bamberg und Schweinfurt

Wer meinte, die Programmdichte der letzten Seminare sei nicht mehr zu toppen, wurde eines Besseren belehrt: Regina Kurz, Eberhard Köstler und Hermann Wiedenroth hatten sich als Planungsteam wieder einmal übertroffen – quantitativ und qualitativ. Von Donnerstag- bis Sonntagmittag reihten sich Vorträge an Präsentationen an Führungen durch Ausstellungen, ein Highlight folgte dem nächsten, unterbrochen lediglich durch ähnlich opulente Mahlzeiten (und wie bei Fortbildungen üblich etwas wenig Schlaf). »Lernen als stete Überforderung«, raunte Köstler – allerdings wurden die Teilnehmerurkunden schon am ersten Abend verteilt, beim Essen im Hofbräu.
Der kulinarische Teil hatte für Regina Kurz eine besondere Herausforderung bedeutet, wollten doch die Wirtshäuser lange im Vorfeld die Speisenauswahl wissen … Als gewiefte Organisatorin ahnte sie, dass ihre Seminaristen Wochen später nicht mehr so genau erinnern würden, ob sie Rauchbierhaxe oder Ochsenbäckchen, Krusten-Schäuferla oder Schweinshaxn, Gögerla oder Bfeffagögerla ausgewählt hatten, und schrieb für jeden Einzelnen jede Essensbestellung auf farbige Kärtchen. Vielen Dank auch dafür! Der Hirschkeller in Schweinfurt hat sie, die Mühe würdigend, mit einer Leuchtschrift »Herzlich Willkommen Antiquariat Kurz« geehrt.

 

 

Blau oder Gelb

Die blauen und gelben Kärtchen, die man wegen der Restaurantadressen und der individuellen Essensentscheidung ohnehin bei sich trug, dienten zugleich der gerechten Aufteilung der insgesamt 47 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
In den beiden kleineren Gruppen war es dann möglich und erlaubt, die Exponate in genauen Augenschein zu nehmen  – dafür gebührt den Gastgebern – allen voran Bibliotheksdirektorin Dr. Bettina Wagner – ein herzlicher Dank und den Referenten für die doppelten Auftritte; man hat ihnen keine Mühe angesehen.
»Bibliophile Sammlungen in Ober- und Unterfranken« lautete der Titel des Seminars und mit zwei Sammlungen in der Bamberger Staatsbibliothek ging es los: den 165 mittelalterlichen Handschriften aus der Bibliothek Heinrichs II., dem Gründer des Bistums und Erbauer des ersten Doms im Jahr 1007.
Auf dem Domberg, in den Räumen der um 1700 erbauten Neuen Residenz, in unmittelbarer Nachbarschaft von Dom, Alter Hofhaltung mit Staatsgalerie, dem Historischen und Diözesanmuseum gelegen, ist die Bibliothek allerdings erst seit 1965 untergebracht und vereint die Funktionen einer allgemeinen und regionalen sowie einer Forschungsbibliothek mit geistes- und kulturwissenschaftlicher Ausrichtung. Der wertvolle Altbestand von Handschriften und alten Drucken entstammt dem ehemaligen Fürstbistum und anderer in der Säkularisation aufgelöster Stifte und Klöster und des Hochstifts Bamberg.

In dem wunderschönen Bibliothekssaal mit barocken Regalen, großen Archivtruhen (für den raschen Abtransport im Kriegsfall) und Holzfiguren der sieben Tugenden, hatte Dr. Stefan Knoch, stellvertretender Bibliotheksdirektor, seine beeindruckenden Exponate aufgebaut. Handschriften seit dem 5. Jahrhundert wie das Fragment aus dem Geschichtswerk des Livius, das dann später abgeschrieben und die Vorlage makuliert wurde – es sträuben sich die Haare bei dem bloßen Gedanken.
Eine Aufzählung verbietet sich, es sei aber hingewiesen auf die bereits erfolgte Digitalisierung von rund 1000 Exponaten – wahrlich »Bamberger Schätze« und zu Recht zum UNESCO-Dokumentenerbe erklärt. Sehen durften wir davon unter anderem die »Scolia enchiriadis de arte musica ...«, die früheste Handschrift zu mehrstimmiger Musik, entstanden um das Jahr 1000.
Eine Sammlung völlig anderer Art als die heterogene kaiserliche ist die Graphiksammlung von Joseph Heller, in die uns Franziska Ehrl einführte. Sie ist zuständig für deren Erschließung und damit bestens vertraut. Heller, 1798 geborener Bamberger Kaufmannssohn, begann als junger Mann zu sammeln – Grafik von Dürer, Holbein, den beiden Cranachs – und bereits 1821 dazu zu publizieren. Er gilt als einer der Pioniere der Kunstgeschichtsschreibung und es ist ein Glück, dass die (damals noch königliche) Bibliothek nach seinem frühen Tod die wertvolle Bibliothek, den schriftlichen Nachlass und 50 000 Blatt erben konnte. Von seiner Manie, so viele Abzüge wie möglich zu sammeln, profitiert heute die Wissenschaft – und wir konnten zum Beispiel einen Einblick in die Datierung von Drucken erhalten.

 

 

Fototermin im Rosengarten

Nachdem es am späten Donnerstagnachmittag aufgeklart war, trug Joachim Siener sein Kamerastativ in den barocken Rosengarten der Neuen Residenz und bat die Teilnehmer zum Fototermin in ein lauschiges Eck über den Dächern der Stadt – die meisten folgten der Einladung und ließen sich porträtieren, mit windzerzausten Haare und in die Sonne blinzelnd. Sieners aktuelles Projekt nimmt das von 1985 auf, als er während der Stuttgarter Antiquariatsmesse Porträtaufnahmen von Ausstellern anfertigte; im Januar 2016 wurden daraus eine Ausstellung und eine Publikation »Der Antiquar lässt sich fotografieren«.
Robert Schoisengeier als fotografischer Seminarchronist hat seinerseits eine ganz Reihe der Porträtsituationen aufgenommen – das mag ein hübsches Doublefeature ergeben.

 

 

Ein Freitag in Schweinfurt

Alle waren pünktlich auf der Schranne zur Abfahrt des Busses nach Schweinfurt, neugierig auf das Museum Otto Schäfer mit seiner breiten Sammlung von Druckgrafik und Illustrierten Büchern des 15. bis 20. Jahrhunderts über Einbände bis zu Erstausgaben deutscher Literatur. Der Ruf einer exquisiten Privatsammlung eilt ihr voraus – ebenso Geschichten von notwendig gewordenen Verkäufen. Untergebracht in einem großzügigen Atriumsbau beherbergt das Museum zahlreiche Ausstellungsräume (auch für weitere Sammlungen), einen Lesesaal für die Freihandnutzung von 6000 Titeln und Magazine.
Sage und schreibe sechs Themenvorträge hatten der Leiter des Museums, Georg Drescher, und Dr. Rudolf Kreutner, Kustos der Sammlung Rückert bei der Stadt Schweinfurt und Geschäftsführer der Rückert-Gesellschaft, vorbereitet. So wechselten die beiden Gruppen nicht nur ständig die Räume, sondern segelten durch Welten und Epochen, dass es einem recht schwindelig werden konnte.
Georg Drescher stellte die Sammlerpersönlichkeit Otto Schäfer (1912–2000) – ein »Jäger nach Unikaten« vor, führte »Vom Narrenschiff zur Proportionslehre« durch die Dürer-Sammlung (was sich ideal zu dem Gehörten des Vortags fügte), gab einen Einblick in die Geschichte der Einbandgestaltung und legte zur Anschauung eine Vielzahl von Exponaten aus sechs Jahrhunderten bereit. Kein Wunder, dass angesichts dieses Füllhorns der Zeitplan durcheinandergeriet …
Rudolf Kreutners Lebensthema ist »der Weltpoet« Friedrich Rückert, seit fast zwanzig Jahren ist er (zunächst mit Hans Wollschläger) Herausgeber der historisch-kritischen Rückert-Ausgabe, der »Schweinfurter Edition« mit inzwischen 14 erschienenen Bänden.
Entsprechend kenntnisreich und temperamentvoll brachte er uns dessen Leben und Werk nahe, diesen Privatgelehrten, der 44 Sprachen und 25 Schriftsysteme kannte, den Koran und andere orientalische Schriften übersetzte, sich aber mehr als Dichter verstand und so mindestens mit seinen »Kindertodtenliedern« in die Literaturgeschichte einging.
Unter dem Motto »O sehet her! die allerliebsten Dingerchen« war Kreutners zweiter Vortrag den Almanachen gewidmet. Statt deren spannende Kulturgeschichte wiederzugeben, hier nur ein Hinweis auf eine vielleicht nützliche Bibliographie der deutschen Almanache und Taschenbücher von 1770 bis 1870: www.musenalm.de. Zum Abschluss des Nachmittags in Schweinfurt gab es dann von ihm noch eine »Wurzelbehandlung«, eine Geschichtsstunde über das Deutschtum, den an die deutsche Sprache und Literatur gekoppelten Nationalismus des 19. Jahrhunderts.

 

Powerpoint und Exklusivschau

Nach diesem Schweinfurter Feuerwerk, dem am Abend in Bamberg wieder ein deftiges fränkisches Essen und vielfach lange kollegiale Gespräche (schließlich ein wesentlicher Wohlfühl-Faktor des Seminars) folgten, schien der Samstagmorgen zunächst ein wenig der leichten Ermüdung entgegen zu kommen, denn die beiden Würzburger Wissenschaftlerinnen Dr. Susanne Rischpler und Angelika Pabel hatten Powerpoint-Präsentationen vorbereitet. Um illuminierte Handschriften des 15. Jahrhunderts ging es zum einen, genauer um den figürlichen Buchschmuck, seine Technik und Verbreitung in den Werkstätten Mitteleuropas – Susanne Rischpler dokumentierte auf einer Landkarte die Vernetzung der Stifte durch reitende Boten. Angelika Pabels Thema sind frühneuzeitliche Einbände, deren Werkstätten und Besonderheiten. Im Bibliothekssaal war sie dann mit den Originalen in der Hand erst wirklich in ihrem Element.
Ein wahres Highlight gab es abschließend mit der Führung durch die Sonderausstellung zu den illuminierten Handschriften, die – so Bibliotheksdirektorin Bettina Wagner in ihrer morgendlichen Begrüßung – extra für die Antiquare an diesem 214. Geburtstag der Staatsbibliothek noch einmal aufgebaut worden war. Angesichts dieser wahrhaft leuchtenden Fleuronnée-Initialen und kolorierten Holzschnitte konnte einem die Freude und Sammellust an / von Inkunabeln und Handschriften schon deutlich werden. Die Mühe und Sorgfalt, die die Mitarbeiterinnen der Staatsbibliothek für unseren Besuch aufgewandt haben, hat sich gelohnt und sei noch einmal sehr bedankt.

 

Hoffmann und Wollschläger

Ohne diese beiden Gestalten geht es natürlich nicht: E. T. A. Hoffmann, der zwar nur knapp fünf, aber wichtige Jahre in Bamberg verbrachte, und Hans Wollschläger, der ein halbes Jahrhundert hier lebte, arbeitete und 2007 starb.
Hoffmann hatte sich als arbeitslos gewordener Jurist für die Stelle des Musikdirektors beworben und kam am 1. September 1808 mit seiner jungen Ehefrau ans Bamberger Theater, konnte dort allerdings nicht richtig Fuß fassen und musste für seinen kargen Lebensunterhalt Gesangstunden geben. Anhand von Gegenständen – Bildnissen, Noten, Autographen – und deren mit witzigen Anekdoten gespickten Erwerbungsgeschichten gelang es Professor Dr. Bernhard Schemmel, dem Vorsitzenden der E. T. A. Hoffmann-Gesellschaft, Momente im Leben und Werk des Multitalents vorzustellen. Vielleicht bekam der eine oder die andere Lust, im »Kater Murr« zu blättern oder wenigstens »Nussknacker und Mausekönig« zu lesen, oder wie die Berichterstatterin, vor der Abreise noch rasch das sehenswerte E. T. A. Hoffmann-Haus zu besuchen.
Nachdem Hermann Wiedenroth mit der ihm eigenen Verve einleitend von seiner Bekanntschaft, ja zeitweise engen Freundschaft zu Hans Wollschläger berichtet hatte – datierend aus der Arno Schmidt-Gesellschaft und der gemeinsam herausgegebenen Karl-May-Ausgabe – hatte der junge Germanist Nico Prelog es nicht mehr leicht, das Publikum für literaturwissenschaftliche Details von Wollschlägers Lebenswerk »Herzgewächse oder Der Fall Adams« zu erwärmen. Eine gut bestückte Vitrine bot den an Wollschläger Interessierten eine Menge Anschauungsmaterial und erinnerte auch an den genialen Übersetzer des »Ulysses«.

 

Laterna magica

Eine schöne Alternative zu einer Stadtführung war der Besuch des Schattentheaters, der »eine theatrale Reise durch die 1000-jährige Geschichte der Stadt Bamberg« versprach – einen bequemen Rundgang im Sitzen. Wobei das abendliche Ausruhen beim Wohlfühlen weniger ins Gewicht fiel, als die Vorstellung, wie eine dieser zahllosen Touristengruppen, die hinter ihren Fähnchen hochhaltenden Führern hertrotteten, durch die Straßen zu laufen.
Im historischen Ambiente der kleinen Katharinenkapelle auf dem Domberg, möglicherweise im ältesten Raum der Stadt, präsentierte Norbert Götz seine ungewöhnliche Performance »Licht und Schatten in Bamberg«, mit vergleichsweise bescheidener Technik und wenigen Accessoires. Auf dem Tisch ein großformatiges Buch, das sich effektvoll von Epoche zu Epoche umblättern lasst, charakteristischen Bamberger Gebäuden aus Pappe und Scheinwerfern, die dramatische Silhouetten davon auf die beiden Leinwände zaubern. Einige Musik- oder Videoeinspielungen untermalen die Erzählung, die von der Bistumsgründung um 1000 bis heute die wesentlichen Geschehnisse darstellt. Faszinierend ist eher das Wie als das Was dieses Schau – der unwiderstehliche Charme einer Art Laterna magica.
Gewissermaßen als Pausenprogramm gab es zwischendurch eine Probe des »aechten Schlenkerla Rauchbiers«, an dem wir aber zuvor alle schon genippt oder gerochen hatten.

 

Sagen – sammeln, suchen, sichern

Das Antiquariat Lorang, direkt beim Alten Rathaus in bester Geschäftslage, hatten wohl die meisten  bereits an einem der Vortage besucht und mehr oder weniger intensiv gestöbert. Und erfreut die ungewöhnlich langen Öffnungszeiten bemerkt: in der Sommersaison sieben Tage die Woche. Trotzdem fanden Inhaber Bob Lorang mit Frau und Mitarbeiter Ulrich Simon Zeit für abendliche Gespräche mit den Kollegen.
Doch nicht in den sieben Räumen des Ladengeschäfts, sondern in der Beletage des gegenüberliegenden Eiscafés, ging es an diesem sonnigen Sonntagmorgen um eine eher düstere Sparte: die Sagen.
Der Bamberger Historiker und Sprachwissenschaftler Dr. Joachim Andraschke, der ein «Institut für ostfränkische Namensforschung, Genealogie und Landeskunde« betreibt, präsentierte als Sammler eine Auswahl seiner Bücher und als Feldforscher einige Sagen der Umgebung, nicht ohne einen Überblick über das Genre und dessen Erforschung zu geben. Am interessantesten war sein Werkstattbericht, wie er mit einem Fragenkatalog zu alten Leuten geht und sich ihre Sagenüberlieferungen erzählen lässt, diese akustisch aufzeichnet, um sie möglichst authentisch zu bewahren. Die eingangs von ihm genannte Definition der Sagen im Unterschied zu Märchen, nämlich dass sie außer der notwendigen Ortsgebundenheit von den Erzählern und vom Publikum als wahr angenommen werden, bestätigte sich bei diesen Hörproben. Und fast jeder von uns ZuhörerInnen erinnerte sich an dieses oder jenes Sagenmotiv und einen damit zusammenhängenden Aberglauben.

 

 

Buntpapiere – in Theorie und Praxis

Karolinenstraße 1 und Karolinenstraße 18 – so unterschiedlich können Antiquariate sein.
Dort bei Lorang 50 000 Titel auf 200 Quadratmetern mit einladenden Bücherkästen und Postkartenständern vor dem Eingang, hier, bei Zipprich eine schwarze Tür, hinter der sich nach Voranmeldung das beeindruckende Treppenhaus eines Palazzo öffnet – es wurde zum Schauplatz des Gruppenfotos.
Seit dem letzten Jahr residiert das Antiquariat Dieter Zipprich, vormals in München, mit »schönen und wertvollen Bücher« und dem Schwerpunkt 17. und 18. Jahrhundert, Geschichte, Landeskunde, Theologie in Bamberg, ebenfalls die an das Antiquariat angegliederte Buntpapierwerkstatt von Ulrike Eleonore Grießmayr. Es ist eine ideale Symbiose, auch an diesem Sonntagmorgen.
Dieter Zipprich gab einen Abriss über die Geschichte des Buntpapiers – also nachträglich verschöntes, veredeltes Rohpapier – von der Tunkpapiertechnik in China und die japanischen Papiere, die als Hintergrund für Kalligraphien verwendet wurden, über die im 16. / 17. Jahrhundert nach Europa eingewanderten »türkischen Papiere«, die Marmorpapiere, bis zu den Kleisterpapieren der Herrnhuter, die Brokatpapiere aus dem Augsburger Raum.
Die Verwendung von Buntpapieren für Einbände (die der Insel-Bücherei sind allen bekannt) und Vorsätze kam zur Sprache, für die Auskleidung von Möbeln und Schatullen oder sogar als Tapete in einem ganzen Theater, dem der Frau von Stein in Großkochberg. Dieter Zipprich zeigte begeisternd schöne Beispiele, aber fast noch mehr beeindruckte die Vorführung von Ulrike Eleonore Grießmayr, die das Marmorieren und die Herstellung von Kleisterpapier zeigte. Ihre Liebe zum Material, zu den Mustern und Ornamenten, teilte sich unmittelbar mit.
Bei Getränken und liebevoll dekorierten Canapees, die das Ehepaar Grießmayr-Zipprich bereit gestellt hatte, konnte man das Gesehene noch einmal Revue passieren lassen, den Organisatoren dankend applaudieren und sich herzlich verabschieden.
Alle waren sich einig: Bamberg wäre eine weitere Reise wert und für das nächste Fortbildungsseminar – wahrscheinlich in Norddeutschland – sollte man eine Anmeldung nicht versäumen.

Fotos: © Robert Schoisengeier

Weitere Fotos vom Seminar in Bamberg finden Sier → hier.


Buch und Kunst vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert

46. Seminar für Antiquare vom 1. bis 4. September 2016 in Wolfenbüttel und Umgebung

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein »echtes Feuerwerk« schwärmt ein Antiquar, sei dieses Seminar gewesen, und sicher werden die  anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer diese Begeisterung teilen: Regina Kurz, Hermann Wiedenroth und Eberhard Köstler (der leider verhindert war) hatten ein überreiches Programm zusammengestellt. Manchem war es fast zu vollgepackt, denn die Dome und Domschätze von Quedlinburg und Halberstadt hätte man zu gern auch besichtigt und so noch mehr von der »Pracht des Mittelalters am Harz« erlebt. Aber eine knapp viertägige Studienreise – denn zu einer solchen wurde das 46. Seminar in Wolfenbüttel – kann vieles nur anreißen und anregen.

Der vielbeschworene »Wohlfühlfaktor« erreichte ungeahnte Höhen, wozu nicht zuletzt das spätsommerliche Wetter und die gemeinsame Unterbringung im Parkhotel beitrugen Ein Frühstück auf der Terrasse in der Morgensonne machte eine fehlende Bar durchaus wett und es fanden sich selbst im gastronomisch etwas unterversorgten Fachwerkstädtchen genügend Orte für den nächtlichen Absacker.

Wir sind die Kultur

Hauptschauplatz der Fortbildung war die Bibliotheca Augusta, Zentrum des aus neun Gebäuden bestehenden Bibliotheksquartiers unweit des Wolfenbütteler Schlosses. Leibnizhaus und Lessinghaus, nach diesen und den beiden wichtigen, im 20. Jahrhundert hier agierenden Bibliotheksleitern Erhart Kästner und Paul Raabe benannte Straßen und Plätze weisen auf den Stellenwert der Herzog August Bibliothek hin – »wir sind hier die Kultur« heißt es selbstbewusst. Die 160 Angestellten sowie rund 200 Stipendiaten und Studiengäste im Jahr werden gewiss auch als Wirtschaftsfaktor wahrgenommen; in der Szene ist der Ortsname Wolfenbüttel das Synonym für die Bibliothek wie Marbach für das Deutsche Literaturarchiv. Diese beiden Einrichtungen bilden zusammen mit Weimar einen Verbund, der durch Forschungsprojekte und Ausstellungen größere Aufmerksamkeit auf die Sammlungen lenken und so der Forschung Impulse geben soll.


Zum ersten Mal in der Augusteer-Halle zu stehen, ist ein wirkliches Erlebnis. Hermann Wiedenroth fand die richtigen Worte: Ein »magischer Ort« sei es, »diese Aura« entführe in »eine andere, herrliche Welt«. Vermutlich können sich auch weniger buchaffine Menschen als Antiquare dieser Aura nicht entziehen.
Nach der Begrüßung durch den neuen Direktor Prof. Peter Burschel erfuhren wir einiges zur Geschichte, die hier kurz erinnert sei.

Achtes Weltwunder in Wolfenbüttel

Die Geburtsstunde, beziehungsweise der Gründungsakt wird auf 1572 datiert, als Herzog Julius eine »Liberey-Ordnung« für den ersten Bibliothekar erließ, doch bereits zwanzig Jahre vorher hatte er mit der Erwerbung von Büchern für seine Sammlung begonnen. Anders als sein Vater Heinrich der Jüngere favorisierte er den Protestantismus, führte die Reformation ein und (sagen wir es drastisch) plünderte die Klöster um ihn interessierende Handschriften. Die Universität Helmstedt erhielt bei ihrer Gründung seine auf 4300 Bände angewachsene Bibliothek; die Rückführung des größten Teils der Bestände geschah im 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Kein direkter Nachkomme von Julius, aber ein Nachfolger im Geiste war Herzog August der Jüngere (1579–1666), der erst ab 1635 als Herzog zu Braunschweig-Lüneburg und Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel regierte. Doch schon zuvor in Hitzacker hatte er eine Büchersammlung angelegt, die er 1644 in 55 Kisten nach Wolfenbüttel transportieren ließ.

Er entwickelte selbst eine Systematik nach zwanzig Sachgruppen, erdachte Signaturen, beschriftete die Pergamenteinbände eigenhändig und ordnete die Bände platzsparend nach Größe. Selbst den Katalog hat er selbst geführt, noch heute sind diese voluminösen Verzeichnisse auf dem Bücherrad zu sehen.
Nie kaufte er eine geschlossene Sammlung, sondern wählte mittels Agenten Einzeltitel aus, bekam allerdings auch viel geschenkt, so von Johannes Kepler oder Athanasius Kircher.
Seine Bibliothek war mit 135 000 Handschriften und Drucken seinerzeit die größte nördlich der Alpen und galt als ein Weltwunder.
In seinem Testament verfügte August, dass die Sammlung, die der Öffentlichkeit schon zu seinen Lebzeiten zugänglich war, unverändert zusammenbleiben und von gelehrten Männern geleitet werden sollte. Da sie bis heute geschlossen aufgestellt ist, gibt sie ein Bild des 17. Jahrhunderts, zumal sie neben den hehren Wissenschaften auch Flug- und Alltagsschriften, somit Dokumente der Zeitgeschichte enthält.

Die Bibliothekare Leibniz, Lessing, Kästner und Raabe

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts – Gottfried Wilhelm Leibniz war damals Bibliothekar – wurde durch Hermann Korb ein neues Gebäude mit prächtigem Kuppelsaal errichtet, in dem dann später Gotthold Ephraim Lessing arbeitete. Ein Jahrhundert nach Lessings Tod, 1881, wurde die baufällig gewordene Bibliothek durch ein neues prunkvolles Gebäude ersetzt, das nach Umbauten in den 1960er- und 70er Jahren bis heute beeindruckt.
Berühmte Bibliothekare waren Erhart Kästner von 1950 bis 1968 und danach Paul Raabe bis 1992. Unter seiner Ägide wurde die Bibliothek zu einer internationalen Forschungs- und Studienstätte für europäische Kulturgeschichte ausgebaut.
Demnächst ist die Sanierung wegen Brandschutzauflagen geplant, die großformatigen Schätze der Augusteer-Halle müssen dafür in das soeben fertig gestellte Neue Magazin umziehen. Wir hatten die Gelegenheit, diesen Neubau mit seinen noch leeren Rollregalanlagen zu besichtigen und von Almuth Corbach Details zur Unterbringung von 21 Kilometern Buchbestand und 150 Gemälden in den drei Etagen zu erfahren, daneben alles über Klimatisierung und Feuerschutz.

Mehr als anderthalb Tage hätten wir gebraucht, um auch nur oberflächliche Blicke in alle zur »HAB« gehörenden Gebäude zu werfen, in denen die Archiv-, Verwaltungs-, Arbeits-, Veranstaltungsräume, die Katalog- und Leihzentren, die Restaurierungswerkstätten etc. untergebracht sind.
Allerdings fühlte man sich schon in der großen Halle der Bibliotheca Augusta mit ihren elegant in Pergament und Schweinsleder gekleideten Buchreihen, den Galerien und Geländern unter der hohen Kuppeldecke ein bisschen wie in Borges’ labyrinthischer »Bibliothek von Babel« …
In tiefer gelegenen Kabinetten sind Globen und Landkarten zu sehen, außerdem eine Sammlung von Künstlerbüchern des 20. Jahrhunderts (Kästners Lieblingssammelgebiet) mit Wechselausstellungen, derzeit über 30 Jahre Zusammenarbeit der Künstlerinnen Uta Schneider und Ulrike Stolz (usus): »buch.räume.sprach.bilder«. 

Ein Raum ist dem Typografen Hermann Zapf gewidmet, dessen Nachlass in Wolfenbüttel liegt, und über den Dr. Nikolaus Weichselbaumer einen der anschaulichsten Vorträge hielt. Wer sich einst über den Zeichensatz der Zapf Dingbats als Zugabe zum ersten Apple-Computer amüsiert hatte, konnte über diesen Tausendsassa nur staunen: Zapf war Kalligraph mit gestochener Handschrift, hat als Buchgestalter die meisten Preise für das schöne Buch abgesahnt, (oft in Zusammenarbeit mit seiner Frau Gudrun) über 200 Schriften entwickelt und sich als einer der ersten Schriftgestalter mit Computer-Typografie befasst.

Astronomie, Astrologie, Alchemie

Dr. Petra Feuerstein-Herz, vielen Antiquaren schon persönlich bekannt, betreut seit einem Vierteljahrhundert die Sammlung alter Drucke – zu Recht als »Sammlung Feuerstein« bekannt –, berichtete über Hintergründe der Bestandsergänzungen, erntete Zustimmung für ihre Bemerkung, dass inzwischen beim Erwerb mehr als früher auf die Einbände und die Provenienz Wert gelegt würde, und zeigte einige ihrer Schätze aus den Gebieten Naturwissenschaft und Alchemie.
Beeindruckend ist dann immer, Preziosen in Augenschein zu nehmen wie etwa Leonhard Thurneyssers Archidoxa, ein großformatiges Buch in Form eines Astrolabiums mit Planetentafeln, eine Art frühes Pop-up, oder die »Rudolfinischen Tafeln« zu den Planetenkonstellationen mit einer Widmung Johannes Keplers für Herzog August von 1627, und zu erfahren, dass beide zusammen in Tübingen bei Nestlin studiert hatten.
Für Astronomie, Astrologie, vor allem für Alchemie ist Wolfenbüttel ein Kompetenzzentrum, das zeigte jüngst auch eine Ausstellung »Goldenes Wissen – Substanzen, Synthesen – Symbole« ein Thema, über das man auch gern mehr erfahren hätte.

Pracht des Mittelalters

Dr. Christian Heitzmann präsentierte parallel einen Teil der Handschriftensammlung, die aus 12000 Stücken (2700 aus dem Mittelalter) besteht, davon sind bereits etwa 1000 digitalisiert, etwa auch eine »Faust«-Handschrift aus den 1580er Jahren, also zeitgleich mit den ersten Drucken entstanden, die von Herzog August angekauft, aber nicht mehr katalogisiert wurde, sie landete später unter Extravagantes.

In Vertretung der Kuratorin Patrizia Carmassi führte Christian Heitzmann zu Beginn des zweiten Seminartages durch die derzeitige Wechselausstellung, die dem »Retter der Antike« Marquard Gude (1635–1689) gewidmet ist. Als junger Mann konnte Gude in Begleitung eines reichen Holländers auf Kavalierstour durch Frankreich und Italien gehen und dort beginnen, mehr als 10 000 Handschriften und Drucke klassischer Autoren zu sammeln und philologisch zu bearbeiten. Die meisten mittelalterlichen Handschriften aus seiner Sammlung wurden auf Anregung des damaligen Wolfenbütteler Bibliothekars Gottfried Wilhelm Leibniz 1710 durch Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Lüneburg erworben. Bis Januar 2017 ist die beeindruckende Ausstellung in der Augusteer-Halle noch zu sehen, mit Drucken, Inkunabeln, Briefen, Porträts, griechischen und lateinischen Handschriften, darunter dem ältesten Text der Herzog August Bibliothek, ein Ovid-Fragment aus dem 5. Jahrhundert.

Kupferstichkabinett online

Der Verzeichnung der frühneuzeitlichen Grafikbestände im »Virtuellen Kupferstichkabinett« war der Vortrag von Judith Talles gewidmet. Das Digitalisierungsprojekt realisiert die Herzog August Bibliothek in Kooperation mit dem Herzog Anton Ulrich Museum in Braunschweig, um repräsentative Teile ihre jeweiligen Grafiksammlungen – Druckgrafik bis 1800 – zusammenzuführen, rund 50 000 Blätter sind bereits digitalisiert und können mit Abbildungen und Beschreibungen über eine Suchmaske aufgefunden werden. Erweitert und modifiziert wird das Virtuelle Kupferstichkabinett durch die aktuellen Projekte Kupferstichkabinett online und Virtuelles Zeichnungskabinett, gefördert vom Land Niedersachsen beziehungsweise der DFG. Für Antiquare vielleicht nicht unbedingt so überraschend wie für Laien sind thematisch in große Bände gebundene oder in Buchdeckel eingeklebte Grafiken und leere Einbände, aus denen alle Blätter entnommen wurden. Immer wieder schweiften die Augen die Galerien entlang und es verwundert nicht, dass hier gelegentlich ganz zufällig Schätze gefunden werden.
Zum Beispiel Bände aus den Büchersammlungen der Augustiner-Chorfrauen in den bei Braunschweig gelegenen Stiften Steterburg und Heinigen, die nach der Reformation nach Wolfenbüttel kamen, 1572 inventarisiert. Einen Blick auf Psalter und Lehrschriften, Beutelbücher und Lesesteine gewährte Dr. Britta-Juliane Kruse in ihrer Power-Point-Präsentation, gern hätte man mehr über die Ausbildung der Frauen an den Stiftsschulen, den Gebrauch der Bücher und überhaupt den Alltag der Chorfrauen erfahren.

Mit der ihm eigenen Verve und gewohnt reich an Anekdoten war Hermann Wiedenroths Vorstellung der Einband-Sammlung von Jürgen Eyssen. Die, mit privaten Mitteln entstanden, seit 1995 in Wolfenbüttel beheimatet ist – bibliografiert wurde sie von Wiedenroth, daher seine intime Kenntnis. Jürgen Eyssen, Jahrgang 1922, war seit 1963 leitender Direktor der Stadtbibliothek Hannover, publizierte über »Buchkunst in Deutschland vom Jugendstil zum Malerbuch«, schätzte aber nichts so sehr wie Meistereinbände, die teilweise von ihm bekannten Buchbindern für ihn angefertigt wurden; »Deutsche Handwerkskunst vom Feinsten«, schwärmte Wiedenroth. Es lag wohl hauptsächlich an der nachmittäglichen Temperatur im Bibelsaal und allgemeiner Ermüdung nach den vielen Eindrücken des Tages, dass der Begeisterungsfunke nicht mehr ganz so übersprang.
Das Abendessen im Bayrischen Hof ließ uns mit einem speziellen niedersächsischen Charme Bekanntschaft machen und die Stunden danach mit den hochgeklappten Bürgersteigen einer Kleinstadt.

Harzreise zu Klopstock, Feininger und Gleim

Für den Samstag standen Ausflüge nach Quedlinburg, seit kurzem Weltkulturerbe, und Halberstadt auf dem Programm, mithin eine Busfahrt am Harz entlang mit Blick auf »Vater Brocken«.

»Wer wird nicht einen Klopstock loben? / Doch wird ihn jeder lesen? – Nein. / Wir wollen weniger erhoben / und fleißiger gelesen sein.« Lessings Sinngedicht trifft den Punkt, so ergeht es vielen Klassikern und besonders dem Dichter des »Messias«.
Die Führung durch die extra für uns aus dem Ruhestand zurückgekehrte Kuratorin des Klopstockhauses war beispielhaft: Sie konnte uns ihren Protagonisten mit genau der richtigen Dosierung aus Fakten über Leben und Werk, Einordnung in das Gedankengut und die Literatur seiner Epoche, Rezeptionsgeschichte sowie hübsche Details wie seine Liebe zum »Schrittschuh« (!), seine Idee einer neuen Rechtschreibung oder des Vertriebs der »Gelehrtenrepublik« auf Subskriptionsbasis nahe bringen.
Im Klopstockhaus, wo der Dichter 1724 als ältestes von 17 Kindern geboren wurde und das seit 1889 Museum ist, wird außerdem an die erste deutsche promovierte Ärztin Dorothea Christiana Erxleben, den Pädagogen Johann Christoph Friedrich GutsMuths und den Begründer der wissenschaftlichen Geografie Carl Ritter erinnert. In diesem wunderbar altmodischen Museum mit enormen Mengen an Flachware könnte man viele Stunden verbringen.
Aber nebenan wartete die Lyonel-Feininger-Galerie, die zum Bauhaus gehört, bereits zur DDR-Zeit bestand und deren Basis die Sammlung seines Freundes Klumpp war. Feiningers Karikaturen, seine Landschaftsskizzen, Schiffsmodelle und Holzspielzeug (für seine Kinder) war sicher vielen unserer Gruppe vorher unbekannt gewesen.

Wie auch Johann Wilhelm Ludwig Gleim, der 1747 als Domsekretär nach Halberstadt kam und in diesem – inzwischen erweiterten Haus in unmittelbarer Nachbarschaft zum Dom – ein Zentrum für seine Bücher- und Gemäldesammlung errichtete. Bekannt wurde er zum einen als »deutscher Anakreon«, zum anderen als Freund, der mit über 500 Korrespondenten in Verkehr stand, so kamen um die 10 000 Briefe zusammen, allein um die 1000 sind von und an »die Karschin« erhalten; ihr Standbild ist übrigens das erste deutsche Dichterdenkmal.
Geprägt von der Idee einer Schule der Humanität schuf er seinen »Tempel der Freundschaft«, bestehend aus Büchern (oft Belegexemplaren), Bildern – über fünfzig Jahre lang ließ er seine Freunde porträtieren und versammelte sie so um sich – und Briefen, zu denen auch Kinderzeichnungen oder etwa eine Verlobungskarte von Jean Paul gehören. Als Multiplikator wurde er von dem durchaus geschäftstüchtigen Schiller zur Verbreitung seiner »Horen« benutzt. Vortrag, Führung und Präsentation von Preziosen wie Lessings »Kleinigkeiten« durch die Direktorin Dr. Ute Pott und ihren Mitarbeiter Dr. Reimar Lacher waren lehrreich, spannend und vergnüglich.

Der Samstag endete in Wolfenbüttel, allerdings noch nicht zum Essen und Entspannen, denn zuvor gab es zwei Stadtführungen, eine auf Lessings, eine auf anderer Literaten Spuren. Dies war der einzige Programmpunkt, an dem nicht die geniale Idee der Gruppenteilung in »Rote« und »Grüne« griff, durch die alle 45 TeilnehmerInnen in den Genuss aller Vorträge, Führungen und Präsentationen kamen. Deshalb kann die Berichterstatterin nur Lessing vorstellen, der 1770 als Bibliothekar nach Wolfenbüttel kam, weil er seine Bücher dorthin verkauft hatte, »Emilia Galotti« zu Ende und den «Nathan« schrieb (eine Statue im Park erinnert daran), nach der Heirat mit Eva König ins sogenannte Lessinghaus, heute Museum, zog. Sie starb 1778 im Kindbett, Lessing überlebte sie nur um drei Jahre. Im Stadtbild sind im wesentlichen Häuser seiner Aufenthalte und seiner Bekannten zu sehen, aber das gemächliche Flanieren offenbarte noch einmal andere Blicke auf die uns nach anderthalb Tagen doch schon recht bekannten Straßen und Plätze.

Zuguterletzt Goethe und Bruno Cassirer

Der Sonntagvormittag lieferte noch einmal Überraschungen – nicht nur, dass der Bus pünktlichst abfuhr und die Verspäteten sehen konnten, wie sie nach Braunschweig kamen … Doch dann trafen sich alle in dem sehenswerten Antiquariat »Buch und Kunst« von Michael Kröger, alle Müdigkeit war angesichts des Sortiments verflogen, der Kaufrausch brach sich Bahn, Stapel wurden aufgehäuft und eingetütet.

Bis zum Vortrag von Dr. Dieter Strauss gerufen wurde, der (einst fürs Goethe-Institut in Brasilien tätig) frei und launig über »Goethes Wanderjahre in Lateinamerika und der Südsee« sprach, das heißt mit ungewöhnlichem Zugriff den Einfluss der Reiseliteratur auf Goethe, seine Münz- und Büchersammlungen dazu, seine Liebe zu fremden Völkern, seine Traumreisen und die Spuren der Welt in seinem Werk thematisierte.

Den krönenden Abschluss lieferte Dr. Markus Brandis mit einem erhellenden Vortrag über den Verlag von Bruno Cassirer in der Zeit des Nationalsozialismus. Bis 1938 blieb Cassirer in Deutschland, überzeugt vom Guten und der deutschen Kultur. Zwischen 1933 und 1936 publizierte er noch 38 Titel, teils von ausländischen, teils von kritischen, sogar von jüdischen Autoren; darunter waren Wolfgang Koeppen und Marie Luise Kaschnitz, die er entdeckte hatte, oder Karel Capek, dessen Gespräche mit Masaryk, ein extrem provokantes Werk, Cassirer verlegte. Sein Idealismus, man könne die Welt mit Büchern und Kultur verbessern, war ein schöner Gedanke und passend zum Schluss dieses Seminars.
Im schönen Garten des Auktionshauses Klittich-Pfankuch fand das Seminar 2016 mit eigens Gekochtem und Gebackenen einen herzlichen Abschluss, nicht ohne noch einmal auf die perfekte Organisation und Durchführung durch Regina Kurz und Hermann Wiedenroth anzustoßen.
Im nächsten Jahr geht es nach Bamberg und eine zahlreiche Teilnahme ist bereits garantiert.


Fotos: © Robert Schoisengeier

Weitere Fotos vom Seminar in Wolfenbüttel finden Sier → hier.


Von der Goethezeit bis ins 21. Jahrhundert

45. Seminar für Antiquare vom 24. bis 27. September 2015 in Frankfurt

Frankfurt am Main als Ort des 45. Seminars für Antiquare schien im Vorfeld nicht so attraktiv zu sein wie früher Weimar, Wien oder Köln. Viele kennen die Stadt von der Buchmesse her, und sie bietet sicher nicht denselben Freizeitwert und »Wohlfühlfaktor« wie Konstanz im vergangenen Jahr. Auf den ersten Blick erschien manchem vielleicht auch das Programm mit Deutscher Nationalbibliothek und Goethehaus etwas trocken und bildungsbeflissen. Doch die 33 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die aus allen Teilen Deutschlands zwischen Aachen und Fürstenberg / Havel, Kiel und München sowie aus Amsterdam, Innsbruck, Zürich und Wien angereist waren, haben es nicht bereut – auf den Fotos von Robert Schoisengeier jedenfalls sieht man durchweg interessierte, gutgelaunte Gesichter ...

 


Kunst und Kultur am Bodensee – 600 Jahre Konstanzer Konzil

44. Seminar für Antiquare vom 11. bis 14. September 2014

Um es gleich zu sagen: das Seminar für Antiquare – vom Fortbildungsausschuss um Regina Kurz, Eberhard Koestler und Hermann Wiedenroth für den Verband Deutscher Antiquare 2014 zum 44. Mal ausgerichtet - ist keine „Rare Book School“ wie man sie aus den USA und neuerdings auch aus England kennt. In der Rare Book School an der University of Virginia, beim Colorado Antiquarian Book Seminar oder beim britischen Ableger in York drücken die Antiquare die Schulbank, setzen sich für eine Woche in ein Klassenzimmer (einer Universität) und erlernen die Grundbegriffe des Antiquariatsbuchhandels: Aufnahmetechniken, Bibliografieren, Katalogerstellung ...


Weimar in Klassik und Moderne

43. Seminar für Antiquare vom 13. bis 15. September in Weimar

Rund um Weimar und dessen berühmte Bewohner oder Gäste drehte sich das 43. Seminar für Antiquare vom 13. bis 15. September 2013. Das Seminar, organisiert vom Verband Deutscher Antiquare in Kooperation mit der Genossenschaft der Internet-Antiquare (GIAQ), der Vereinigung der Buchantiquare und Kupferstichhändler in der Schweiz (VEBUKU) und des Verbands der Antiquare Österreichs (VAO), war ein voller Erfolg!


Provenienz und Provenienzforschung

42. Seminar für Antiquare in Köln vom 17. bis 20. Mai 2012

Provenienz und Provenienzforschung, rechtliche Grundlagen der Restitution, Papier und Typographie bildeten die Schwerpunkte des Seminars 2012, das auf Einladung des Auktionshauses Venator & Hanstein in Köln stattfand. Das attraktive und vielseitige Programm führte die Teilnehmer unter anderem ins Ungers-Archiv für Architekturwissenschaften (UAA e.V.), ins Käthe-Kollwitz-Museum, in die Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek sowie zur Sammlung von Professor Dr. Reiner Speck.


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58. Stuttgarter Antiquariatsmesse
25. bis 27. Januar 2019
Kunstgebäude am Schlossplatz

www.stuttgarter-antiquariatsmesse.de

 

Verband Deutscher Antiquare e.V.

Geschäftsstelle: Norbert Munsch
Seeblick 1, 56459 Elbingen
Fon +49 (0)6435 909147
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