Alles über die ILAB … und Goethe - Das ILAB Presidents’ Meeting in Weimar 2011
Für viele war es eine lange Odyssee mit Verkehrsmitteln jeglicher Art (außer Raumschiffen), aber es war, wie es übereinstimmend hieß, eine lohnenswerte Reise. Vom 27. September bis zum 1. Oktober 2011 trafen sich das ILAB Komitee und die Präsidenten der 22 Mitgliedsnationen der ILAB in Weimar.
Der Verband Deutscher Antiquare hatte die ILAB zu ihrem Jahrestreffen in eine der schönsten und geschichtsträchtigsten Städte Deutschlands eingeladen. Weimar war das Zentrum der Deutschen Klassik, wo Goethe, Schiller und Herder lebten und arbeiteten. Franz Liszt und Henry van de Velde kamen einige Jahrzehnte später nach Weimar. Auch Friedrich Nietzsche verbrachte seine letzten Lebensjahre dort, bevor er 1900 starb. Das Bauhaus wurde von Walter Gropius 1919 in Weimar gegründet - im selben Jahr wie die erste deutsche, die Weimarer Republik. Wiederum nur 18 Jahre später errichtete das Nazi-Regime eines seiner grausamen Konzentrationslager in Buchenwald, nur 10 Kilometer von Weimar entfernt. In Deutschland gibt es kaum eine Stadt, in der die deutsche Geschichte in all ihren Facetten so konzentriert auf einem relativ kleinen - und reizvollen - geographischen Punkt konzentriert ist.
Das Hotel Elephant am Weimarer Marktplatz wurde 1696 gegründet. Auch wenn die ILAB Mitglieder nicht zu den VIPs gehörten, die dort im Laufe der Jahrhunderte neben Johann Sebastian Bach, Leo Tolstoy und Thomas Mann bereits logierten, zeigte sich das Haus von seiner allerbesten Seite. „In jeder Hinsicht erstklassig“, lautete das einhellige Lob, denn der Verband habe nicht nur den schönsten Ort, sondern zugleich auch - nach einem Sommer mit Regen, Sturm und Hagel - strahlendes Spätsommerwetter organisiert! Einmal mehr, sagte ILAB Präsident Arnoud Gerits in seiner Abschiedsrede, erwies sich der Verband Deutscher Antiquare als exzellenter Gastgeber. Noch besser hätte es nach dem ILAB Presidents’ Meeting in Potsdam 2003 eigentlich nicht mehr werden können, aber dann sei es 2011 in Weimar noch besser gewesen:
„ And so we have to say once again: Thank you very much for giving ILAB the opportunity of four fabulous days of hard work, creative discussions, accompanied by lots of learning about books,history, German arts, politics, music, literature - and Goethe.”
Am Donnerstag traf sich zunächst das ILAB Komitee, wo man unter der Leitung von ILAB Präsident Arnoud Gerits die Arbeit des letztes Jahres kritisch Revue passieren ließ und künftige Projekte diskutierte. Am Abend kamen alle Delegierten zum Welcome Dinner im Elephantenkeller bei traditionellem sächsischen Essen mit Köstritzer Schwarzbier und Saale Unstrut Wein zusammen. Auf der gemeinsamen Besichtigungstour am Freitag war Gelegenheit, sich kennenzulernen, Vorgespräche zu führen und die Stadt samt ihrer Kultur zu bewundern, einschließlich der St. Peter und Paul Kirche mit dem Triptychon Lucas Cranachs d.Ä. und dem Grab Johann Gottfried Herders. Nur wenige Schritte steht die St. Jakob Kirche, wo Goethe und Christiane Vulpius im Oktober 1806 heirateten. Weiter ging es zum Liszt-Haus und zum Schiller-Haus und dann - natürlich - zum Frauenplan 1, wo Goethe seit 1782 Hof hielt. Für alle, die noch mehr über den Geheimen Legationsrat erfahren wollten, ging es durch den Park zu Goethes Gartenhaus, während eine kleine Gruppe der Weimarer Klassik den Rücken kehrte und das sehenswerte Bauhaus-Museum besuchte.
Höhepunkt des Tages war eine Einladung in die Anna-Amalia-Bibliothek. Die 1522 gegründete Bibliothek beherbergt Manuskripte, Autographen und Bücher vom 9. bis zum 21. Jahrhundert, darunter die Nachlässe Goethes, Wielands, Herders, Nietzsches, Liszts, Büchners und Schillers. Der berühmte Rokoko-Saal wurde 2004 von einem Feuer zerstört. Rund 62.000 Bücher und Manuskripte fielen dem Brand zum Opfer. Mittlerweile ist der Rokoko-Saal wieder zugänglich. Dr. Johannes Mangei und die Restauratorin C. Ripplinger referierten über den langwierigen Prozess der Restaurierung und zeigten restaurierte Bücher, aber auch einige der sogenannten „Aschebücher“, die nicht mehr gerettet werden können. Der unbeschreibliche Verlust, den die Bibliothek durch den Brand erlitt, ist in einer Datenbank für Bibliothekare und Antiquare dokumentiert, um den Prozess der Neuerwerbung zu befördern. Über welche Schätze die Bibliothek dennoch nach wie vor noch verfügt, zeigte die Ausstellung „Reise in die Bücherwelt“, die eigens für die ILAB Delegierten geöffnet wurde und in der er es neben Nietzsches „Ecce Homo“ mit dem Buchschmuck Henry van de Veldes auch die Luthersche Bibelübersetzung aus dem Jahr 1534 zu bewundern galt, die Bibliotheksdirektor Dr. Michael Knoche in der Brandnacht aus dem Rokoko-Saal gerettet hatte.
Der Samstag war Konferenzen und Workshops vorbehalten. Zunächst hieß ILAB Präsident Arnoud Gerits die Kollegen aus den USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Kanada, Österreich, Dänemark, Australien, Belgien, Ungarn, Japan, Spanien, Italien, der Schweiz und den Niederlanden zum Presidents’ Meeting willkommen, auf dem die Mitglieder des Komitees über den Stand der Dinge der verschiedenen Projekte vom künftigen ILAB Directory über den ILAB Breslauer Preis für Bibliographie, die ILAB Datenbank für gestohlene Bücher (www.stolen-book.org), den nächsten ILAB Kongress in der Schweiz 2012 und die ILAB Website berichteten. Die Präsidenten der 22 Mitgliedsverbände sind die höchste Autorität innerhalb der ILAB. Keine Entscheidung wird ohne sie getroffen, kein Projekt wird ohne deren Zustimmung ins Leben gerufen. So nimmt es nicht Wunder, dass die Tagesordnung lang, die Diskussionen intensiv und die Zahl der Abstimmungen groß ist. Im Anschluss daran leitete Paul Feain (Australien) einen Workshop zum Thema „Antiquariatsmessen“. Es ging um den Austausch von Erfahrungen und Mittel und Wege, auch künftig hohe Ausstellerzahlen zu garantieren und die von der ILAB gesponserten Messen in London, Paris, Tokyo, New York, Barcelona, Stuttgart, Kopenhagen, Mailand, Kalifornien. Sydney usw. für die Besucher so attraktiv wie möglich zu gestalten. Besonderes Augenmerk galt dabei auch den kommenden ILAB Kongressen und Internationalen Antiquariatsmessen, 2012 in der Schweiz und 2014 in Paris. VEBUKU Präsident Alain Moirandat und SLAM Präsident Alain Nicolas informierten über das jeweilige Programm, das in der Schweiz unter anderem Besuche im Rosengart Museum, in der Bibliothek Prof. Werner Oechslin und in Kloster Einsiedeln einschließt.
Als Beobachterin nahm am Presidents’ Meeting Alena Lavrenova teil. Sie ist eine der Studenten der Universität Moskau, die 2011 als Erste am ILAB Internship Programme teilnahmen und für drei Monate in Auktionshäusern und Antiquariaten in Ungarn, Österreich, Deutschland, Australien und den Niederlanden volontierten. Das auf die Initiative von Norbert Donhofer (Wien) und Eric Waschke (Vancouver) zurückgehende Projekt hat es sich zum Ziel gesetzt, jungen Talenten die Möglichkeit zu geben, sich auf vielfältige Weise in den Antiquariatsbuchhandel einzuarbeiten und dabei internationale Kontakte zu knüpfen. Das Programm wird, so berichtete Norbert Donhofer, 2012 und 2013 fortgesetzt.
Schließlich, nach einem langen Tag und einer langen Tagesordnung, das Farewell Dinner. Es war ein fröhlicher, gelungener Abend, mit dem die ILAB Familie eine erfolgreiche Konferenz ausklingen ließ, umrahmt von Musik aus Wien und Gedichten von ... Goethe.
Übersetzung aus dem Englischen. Das englische Original von Barbara Werner van Benthem ist auf der ILAB Website veröffentlicht. Die detaillierten Ergebnisse des Meetings können alle ILAB Mitglieder im internen Bereich der ILAB Website nachlesen.
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24. bis 26. Januar 2014 im Württembergischen Kunstverein
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